(Swami Sivananda)Die Weisheit des Mungos
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Vivekamati war ein sehr tugendhafter Jugendlicher aus dem Lande Kalinga (Provinz in Indien). Er lebte bei seinem Guru (Lehrer des Herzens), diente ihm, studierte, um die Vedas (alte Schriften) kennen zu lernen.
Als seine Studienzeit beendet war, bereitete sich Vivekamati drauf vor, seinen Guru zu verlassen. Er ging zu seinem Lehrer und sprach zu ihm: "Oh ehrwürdiger Meister! Bei dem Zusammenleben in diesem reinen und heiligen Heim mit dir war ich vor den Versuchungen und den Anziehungskräften der Welt sicher. Ich verlasse jetzt diesen geschützten Platz, um mich dem Kampf und der Schlacht weltlichen Lebens zu stellen. Bitte, sag mir, wie ich mich vor der schrecklichen Ansturm des Weltlichen und Maya schützen kann. Zeig mir den Weg.
Der Weise Guru dachte einen Augenblick nach und sagte: "Komm, folge mir, ich zeige dir die wahre Bedeutung des Selbstschutzes."
Gesagt, getan, der Guru ging voraus, gefolgt von dem übereifrigen Vivekamati. Sie erreichten eine kleine Lichtung inmitten des Dschungels. Hier lebte der kühne, mächtige und gut gepanzerte Mungo Sukavachee. Er war flink und in ständiger Alarmbereitschaft, denn der Wald war von grimmigen, tödlich giftigen Schlangen aller Art bevölkert. Täglich musste der Mungo mit seinen Feinden kämpfen.
Als der Guru mit Vivekamati die Lichtung betrat, fand gerade ein derartiger Kampf statt. Der Mungo stand einer solchen Schlange gegenüber und wandte niemals seine Augen von ihr. Er wurde permanent angegriffen, wobei die Schlange den Mungo in ihren Würgegriff zu nehmen versuchte. Auf Grund seiner Schnelligkeit war er nicht zu fassen. Doch manchmal wurde er von der Schlange gebissen. Der Kampf ging weiter, in den Pausen verschwand der Mungo in das Dickicht und tauchte alsbald in alter Frische wieder auf, unbeeindruckt von allen Verletzungen. Er schien niemals erschöpft, die Schlange hingegen zeigte allmählich Schwäche und verlor langsam ihre Wildheit. Am Ende tötete der Mungo die Schlange und war unbeeindruckt und unversehrt.
Vivekamati beobachtet all dies in stiller Verwunderung, wandte sich an seinen Guru und bat um Aufklärung. Der Guru sagte: "Hast du den Kampf zwischen dem Mungo und der Schlange beobachtet, oh Vivekamati? Genauso verhält es sich mit dem Kampf des Menschen mit der todbringenden Schlange des Weltlichen. Genauso wie der Mungo muss der Mensch in einem ständigen Alarm- und Wachzustand sein, damit das Weltliche ihn nicht bei der kleinsten Unaufmerksamkeit in den Würgegriff nimmt.
"Halte die beiden Augen der Unterscheidungsfähigkeit und Nachfrage weit offen. Wenn du dich in der weltlichen Lebensführung verletzen solltest, dann musst auch du dich von Zeit zu Zeit genauso, wie sich der Mungo in den Dschungel zurückzieht, um seine Verletzungen mit heiligem "Kraut" zu behandeln und mit frischen Kräften auf das Schlachtfeld zurückzukehren, von der Weltbühne zurückziehen und Zuflucht im Satsanga, Sadhana, Einsamkeit und stiller Meditation suchen. Satsanga und Einsamkeit sind die magischen "Kräuter", die das Gift des Weltlichen von dir nehmen. Mit deren Hilfe kannst du dich sicher fühlen, oh Vivekamati! Gehe nun mit Mut von dannen. Hab' keine Furcht."
Nachdem Vivekamati dies vernommen hatte, fühlte er sich ziemlich sicher, verabschiedete sich von dem Guru und ging davon. Er lebt das Leben eines Familienvaters, ohne von dem Weltlichen übermannt zu werden. Nach einem ehrenwerten, unberührten Leben in der Welt, wurde er Sannyasin, übte sich in Selbstkontrolle und erreichte Befreiung.
Gelegentliche Einsamkeit, Sadhana (spirituelle Praxis) und Satsanga (Gemeinschaft mit Gleichgesinnten) sind für den Suchenden in der Welt jene lebensspendenden Elixiere, die ihn vor dem Straucheln bewahren. Sie werden immer sicher sein, wenn Sie diese Geschichte nicht vergessen!