Alle auf dieser und den folgenden Internet-Seiten von Divya Jyoti (Hans-J. Schröer) veröffentlichten Texte und Übersetzungen unterliegen dem © Copyright "The Divine Life Trust Society" (Rishikesh, Indien)
Geburt
Nanak's Ausbildung
Nanak's Beschäftigung
Nanak's Vermählung
Guru Nanak's Tapas und Meditation
Guru Nanak's Wanderschaften
Zwei Wunder
Die Lehren von Guru Nanak
Das Granth Sahib
Guru Nank's letzten TageWann immer es zu Katastrophen kommt, wann immer ein Nachlassen von Recht und Ordnung stattfindet, wann immer Unterdrückung und Chaos in einem Land entstehen, und wann immer das Vertrauen der Menschen in Gott schwindet, tauchen großartige Menschen und Heilige auf, um die heilige Literatur zu bereichern, das Dharma zu schützen, und um das Unrecht zu bekämpfen und die Liebe zu Gott wiederzuerwecken. Indien war in einem trostlosen Zustand. Barbaren überfielen das Land. Ihre Armeen löschten ganze Städte aus. Die Gefangenen wurden rigoros zur Sklavenarbeit getrieben. Überall kam es Massakern. Die Könige waren blutdürstig, tyrannisch und grausam. Die Religionen hatten aufgehört zu existieren. Religiöse Anhänger wurden gnadenlos verfolgt. Wirklich religiöser Geist verkam zu Ritualen. Die Herzen der Menschen waren von Falschheit, Selbstsucht, Gier und Gerissenheit erfüllt. In solch einer Zeit kam Guru Nanak mit einer Botschaft von Frieden, Einheit, Liebe und Hingabe zu Gott in die Welt. Es war zu einer Zeit, wo Kampf zwischen den Hindus und Mohammedanern herrschte.
Nanak, der Khatri Mystiker, Dichter und Gründer der Sikh Religion wurde 1469 in einem Dorf von Talwandi im Lahore Distrikt des Punjab geboren. Auf der einen Seite seines Geburtshauses befindet sich noch heute der berühmte Schrein 'Nankana Sahib'. Nanak wird auch als 'Prophet des Punjab und Sind' bezeichnet. Mehta Kalu Chand, ein Buchhalter und Farmer, war sein Vater. Seine Mutter hieß Tripta. Bereits als Kind war Nanak mystisch ausgerichtet, denn er sprach mit den Sadhus über Gott. Er hatte einen kontemplativen Geist und eine mitleidsvolle Natur. Er verbrachte viel Zeit in Meditation und spiritueller Praxis. Er war sehr zurückhaltend in seinem Auftreten und nahm nur wenig Nahrung zu sich.
Als Nanak sieben Jahre alt war, wurde er zu Gopal Pandha geschickt, um Hindi zu lernen. Er wurde von seinem Lehrer aufgefordert, ein Buch zu lesen. Nanak antwortete: "Was macht es für einen Sinn alles zu wissen, jedoch keinen Schimmer von Gott zu haben?" Dann schrieb der Lehrer das Hindu-Alphabet auf eine Schiefertafel. Nanak fragte seinen Lehrer: "Welche Bücher haben Sie studiert? Welches Wissen haben Sie sich angeeignet?" Gopal Pandha antwortete: "Ich weiß etwas über Mathematik, und ich habe die notwendigen Kenntnisse, um ein Ladengeschäft zu führen." Nanak antwortete: " Dieses Wissen wird dir in keiner Weise helfen, um Freiheit zu erlangen." Der Lehrer war über die Ausführungen des Jungen sehr erstaunt. Er fragte Nanak: "Sag mir, was mir helfen kann, um Befreiung zu erlangen." Nanak sagte: "Verbrenne die Liebe zum Weltlichen, mach aus der Asche Tinte und verwandle deinen Intellekt zu feinem Papier. Dann verwandle deine Liebe zu Gott zur Schreibfeder und dein Herz zum Schreiber. Unter der Anweisung deines Gurus schreibe und meditiere. Schreibe den Namen des Herrn, bete Ihn an und schreibe: 'Er hat weder auf dieser noch auf jener Seite Grenzen'. Schreibe dieses nieder." Sein Lehrer war wie vom Donner gerührt.
Dann schickte Kalu seinen Sohn zu Pundit Brij Nath, damit er Sanskrit lernen sollte. Der Pundit schrieb für ihn das 'OM' auf. Nanak fragte nach der Bedeutung des 'OM'. Der Lehrer antwortete: "Es gibt keine tiefere Bedeutung für dieses 'OM'. Ich kann sie nicht erklären." Nanak sagte: "Was bringt es mir, wenn ich etwas lese, ohne dessen Bedeutung zu kennen? Ich werde dir die Bedeutung von 'OM' erklären." Dann gab Nanak seinem Lehrer eine leuchtende Erklärung über die Schönheit des 'OM'. Der Sanskrit-Lehrer war außerordentlich erstaunt.
Dann versuchte Kalu, Nanak's Geist weltlichen Dingen zuzuwenden. Nanak sollte sich um die Kultivierung von Feldern kümmern. Nanak schenkte dieser Aufgabe keinerlei Aufmerksamkeit. Er meditierte selbst bei der Arbeit auf den Feldern. Er sollte das Vieh hüten, doch lenkte seinen Geist auf die Verehrung Gottes. Unerlaubterweise verirrte sich dabei das Vieh auf die Weidegründe des Nachbarn. Kalu tadelte ihn für seine Träumerei. Nanak antwortete: "Ich träume nicht, sondern ich kümmere mich um meine eigenen 'Felder'." Kalu sagte: "Wo sind denn deine Felder?" Nanak antwortete: "Mein Körper ist mein Feld. Mein Geist lenkt den Pflug. Rechtschaffenheit heißt meine Kultivierung, Bescheidenheit meine Bewässerung. Ich habe das Feld mit dem heiligen Namen des Herrn bestellt. Zufriedenheit ist die Egge für mein Feld. Demut ist die Feldbegrenzung. Die Saat wird aufgehen und Früchte von Liebe und Hingabe hervorbringen. Glück ist das Lagerhaus für diese Früchte. Der Mammon wird uns nicht in die nächste Welt begleiten. Er hat die ganze Welt verzaubert, doch es gibt einige, die seine trügerische Welt nicht verstanden haben."
Dann gab ihm Kalu die Verantwortung über einen kleinen Laden. Nanak verteilte die Waren an Sadhus und arme Leute. Er verteilte alles, worauf er in seines Vaters Haus und in dem Laden Zugriff hatte. Nanak sagte: "Mein Geschäft besteht aus Zeit und Raum. Das Lager besteht aus der Wahrheit und der Selbstkontrolle. Ich handle immer mit meinen Kunden, den Sadhus und den Mahatmas, und kontaktiere diejenigen, von denen ich mir einen Vorteil verspreche."
Als Nanak fünfzehn Jahre alt war, gab ihm sein Vater zwanzig Rupien und sagte: "Geh auf den Markt und kaufe einige günstige Gebrauchsgegenstände." Kalu gab ihm seinen Diener Bala als Begleitung mit auf den Weg. Nanak und Bala erreichten Chuhar Kana, ein Dorf ca. 25 Kilometer von Talwandi entfernt. Nanak traf auf eine Versammlung von Fakiren. Er dachte sich: "Lass mich diese Fakire füttern. Dieses ist die günstigste Abmachung, die ich treffen kann." Er kaufte Lebensmittel und gab ihnen ein üppiges Mahl. Dann ging er wieder nach Hause. Der Diener informierte seinen Herrn über die Abmachung. Kalu war außerordentlich ärgerlich und versetzte Nanak eine schallende Ohrfeige.
Sein Vater dachte, dass Nanak keine sitzende Beschäftigung mochte. Darum sagte er zu Nanak: "Mein lieber Sohn, nimm ein Pferd und versuche dein Glück auf Reisen. Dieses wird dir bestimmt gefallen." Nanak antwortete: "Mein Handel ist das göttliche Wissen. Der Gewinn sind ein Geldbeutel voller guter Taten, mit denen ich bestimmt den Herrn erreichen kann."
Dann sagte Kalu Chand zu Nanak: "Wenn du keinen geschäftlichen Handel treiben willst, dann mache dich im Büro nützlich." Nanak sagte daraufhin: "Ich bin bereits ein Diener Gottes. Ich bemühe mich, meine Pflicht aus ganzem Herzen für meinen Herrgott zu tun. Ich lebe nach seinen Gesetzen. Ich wünsche mir göttliche Gnade zu erlangen, indem ich IHM unermüdlich diene." Als sein Vater das hörte, ging er still von dannen.
Guru Nanak hatte nur eine Schwester, d.h. Nanaki. Sie war mit Jai Ram verheiratet, einem Dewan im Dienste von Nawab Daulat Khan Lodi, der wiederum ein Verwandter von Sultan Bahlol, dem Eroberer von Delhi war. Nawab besaß ausgedehnte Ländereien. Nanak wurde kurz nach seiner Schwester Nanaki verheiratet. Seine Frau war Sulakhani, Tochter des Mula im Distrikt von Gurdaspur. Die Heirat und die Geburt zweier Kinder konnten sein spirituelles Bemühen nicht beeinflussen, denn er ging weiterhin in die Wälder und zu einsamen Plätzen, um zu meditieren.
Nanaki und Jai Ram mochten Nanak sehr. Rai Bular, der Verwalter von Talwandi, mochten Nanak ebenfalls sehr. Rai Bular und Jai Ram dachten, es wäre gut, Nanak eine Arbeit in Sultanpur zu verschaffen. Jai Ram nahm Nanak mit zum Nawab, der ihm eine Arbeit in einem Lagerhaus gab. Nanak erfüllte seine Pflichten sehr zu aller Zufriedenheit. Damals gab es noch keine festen Gehälter, sondern nur auf Provisionen. So erhielt Nanak Provisionen. Er gab nur einen kleinen Teil des Geldes für sich aus und verteilte den Rest an die Armen.
Seine beiden Söhne hießen Srichand und Lakshmichand, jeweils geboren 1494 bzw. 1497. Srichand entsagte der Welt und gründete eine Sekte namens Udasis. Die Udasis trugen lange Bärte und lange Haare. Das Rasieren war strengstens verboten. Lakshmichand wandte sich dem Weltlichen zu. Er heiratete und hatte zwei Söhne.
Nanak gab schließlich seine Arbeit auf und verteilte seinen Besitz unter den Armen. Er lebte im Dschungel und legte das Gewand der Fakire an. Er unterzog sich strenger Disziplinen und übte intensive Meditation. Es sang inspirierende Lieder. Dieses Liedgut wurde später gesammelt und im Adi Granth, dem heiligen Buch der Sikhs, veröffentlicht.
Der fahrende Sänger Mardana kam nach Talwandi und wurde Nanak's Diener und aufrichtiger Devote. Wenn Nanak sang, begleitete ihn Mardana auf einem Instrument. Mardana war ein glänzender Musiker. Im Alter von 35 Jahren begann Nanak über seine Mission zu predigen. Seine Predigten beeindruckten die Öffentlichkeit aufs Tiefste. Er verließ Sultanpur und reiste durch Nordindien.
Rai Bular wurde sehr alt. Er wollte Nanak treffen und schickte darum nach ihm. Als Nanak die Botschaft erreichte, begab er sich sofort nach Talwandi und traf Rai Bular, ebenso seine Eltern und Verwandten. All seine Verwandten beschworen Nanak, damit er seine Mission aufgeben und zu Hause bleiben sollte. Doch Nanak sagte: "Die 'Vergebung' ist meine Mutter und die 'Zufriedenheit' mein Vater. Die 'Wahrheit' ist mein Onkel und die 'Liebe' mein Bruder. Die 'Zuneigung' ist meine Cousine und die 'Geduld' meine Tochter. 'Frieden' ist meine ständige weibliche Begleitung und 'Intelligenz' meine Dienerin. Daraus besteht meine ganze Familie, deren Mitglieder mir ständig zugetan sind. Der eine Gott, der Schöpfer des ganzen Universums, ist mein Gemahl. Derjenige, der IHN entsagt, wird unter immer wiederkehrenden Geburten und Tode in unterschiedlichster Form leiden müssen."
Guru Nanak hatte großen Einfluss auf Babar, der sich ihm sehr verbunden fühlte. Babar machte Nanak wertvolle Geschenke. Doch Nanak lehnte immer wieder dankend ab und bat ihn, die Gefangenen von Eminabad freizulassen und deren Besitz zurückzugeben. Barbar kam dem Wunsch sofort nach und flehte ihn an, ihm religiöse Anweisungen zu geben. Guru Nanak sagte: "Verehre Gott, wiederhole seinen Namen. Gib den Wein und das Glücksspiel auf. Verehre die Heiligen und Armen. Sei dankbar gegenüber den Unterlegenen.
Guru Nanak's Tapas und Meditation
Um Gott schnell zu verwirklichen, praktizierte Nanak seine Meditation rigoros. Er war ständig in tiefer Meditation. Er kümmerte sich nicht um seinen Körper. Seine Eltern glaubten, dass Nanak unter seinen Anstrengungen litt, und schickten darum nach einem Arzt. Nanak sagte zu dem Arzt: "Du bist gekommen, um mich zu untersuchen und mir etwas zu verschreiben. Du nimmst meine Hand und fühlst meinen Puls. Armer unwissender Doktor, du weißt nicht, dass der Schmerz in meinem Geist ist. Oh Doktor! geh zurück nach Hause. Ich stehe unter einem göttlichen Rausch. Deine Medizin ist unnütz. Einige kennen meine Krankheit. Der Herr, der mir diesen Schmerz zugefügt hat, wird ihn mir wieder nehmen. Ich fühle den Schmerz der Trennung von Gott. Ich fühle den Schmerz, den mir der Tod zufügt. Oh unwissender Doktor gib mir keine Pillen. Ich fühle den Schmerz, der meinen Körper durch Krankheit umbringt. Ich habe Gott vergessen und mich den Vergnügen zugewandt. Dann erfuhr ich diesen Schmerz. Das böse Herz wird bestraft. Wenn ein Mensch nur ein wenig den Namen des Herrn wiederholt, wird sein Körper wie Gold und seine Seele wird rein. All sein Schmerz und seine Krankheit wird vernichtet. Nanak wird durch den wahren Namen des Herrn gerettet. Doktor, geh nach Hause. Nimm nicht meine Plage mit. Lass mich jetzt allein."
Nanak gab für einige Tage das Essen und Trinken auf. Er löste sich völlig in göttlicher Kontemplation auf. Er nahm völlige Stille wahr. Er verbarg sich für einige Tage im Wald.
Nanak wurde siebzig Jahre alt. Er wanderte von Ort zu Ort. Er ging nach Sayyidpur im Distrikt von Gujranwala. Er wanderte weiter nach Kurukshetra, Hardwar, Brindavan, Varanasi, Agra, Kanpur, Ayodhya, Prayag, Patna, Rajgir, Gaya und Puri. Er bereiste ganz Indien. Er unternahm ausgedehnte Reisen. Er reiste auch nach Sri Lanka, Myanmar (Birma), Mekka und Medina. Er bereiste Bengalen, den Dekkan, die Türkei, Arabien, nach Bagdad, Kabul und Kandahar sowie Siam. Er stritt sich mit Gelehrten und mohammedanischen Priestern. Er debattierte mit Philosophen aus Gaya, Hardwar und an anderen Orten. Er vertrieb die Wolken vieler Unwissenden und zerstreute die Zweifel vieler Menschen. Er nahm Menschen in die Pflicht, in Rechtschaffenheit, brüderlicher Nächstenliebe und Gastfreundschaft miteinander zu leben. Er predigte und lehrte: "Liebt Gott. Gebt euch nur einem Gott hin. Dient euren Kameraden. Gott ist alles in allem. Betet. Lobet immer den Herrn. Ihr werdet die glückselige Einheit mit IHM erreichen." Nanak war außerordentlich erfolgreich bei der Veränderung der Menschen, gewann ihre Liebe und ihr Vertrauen bzgl. der Hinführung zu Rechtschaffenheit und Hingabe. Er gab sein Bestes, um Hindus und Moslems miteinander zu vereinen.
Guru Nanak ging nach Multan (Stadt im heutige Pakistan). Er rastete am Ufer eines Flusses. In Multan lebten immer viele Fakire. Prahlad wurde dort geboren. Shams Tabriez und Mansoor lebten ebenfalls dort. Die Pirs erfuhren von Nanaks Besuch und schickten ihm eine Tasse, die bis zum Rand mit Milch gefüllt war. Nanak gab einige Stückchen Zucker in die Milch, legte obenauf eine Blüte und schickte die Tasse wieder zurück. Mardana erzählte seinem Meister, dass man eine Tasse Milch nicht zurückweisen darf, sondern dass diese ausgetrunken werden muss. Guru Nanak aber antwortete: "Schau her du Einfaltspinsel. Die Pirs haben einen einfachen Trick angewandt. Ich sollte die Milch besser nicht trinken. Es steckt eine große Philosophie, etwas Wunderbares dahinter. Es bedeutet, Multan ist bereits voller Pirs und Fakire, so wie die Tasse bis zum Rand voller Milch ist, denn es gäbe keinen Raum für andere religiöse Lehrer. Ich habe ihre Nachricht mit gleicher Münze heimgezahlt. Meine Antwort ist, dass ich mich mit vereinen und dominierend sein werde, was ich mit der Blüte auf der Milch ausgedrückt habe." Die Pirs und die Fakire kamen, um Guru Nanak zu treffen. Nanak sang ein Lied. Die stolzen und arroganten Pirs kamen zur Besinnung. Sie wurden sehr bescheiden. Sie sagten: "Verzeih uns ehrenwerter Guru! Wir waren sehr eingebildet. Bitte gib uns spirituelle Anweisungen und segne uns." Guru Nanak segnete sie und gab ihnen Anweisungen.
Es gibt ein bemerkenswertes Ereignis in Verbindung mit Nanak's Besuch in Mekka. In Mekka fand man den schlafenden Nanak mit seinen Füßen gen Kaaba gestreckt, noch bevor die Mehrheit betender Mohammedaner protestieren konnten. Kazi Rukan-ud-din, sichtlich verärgert, brummte ärgerlich: "Ungläubiger! Du hast einen Platz Gottes entehrt, indem du ihm deine Füße entgegengestreckt hast!" Er stieß den schlafenden Nanak an. Doch Nanak erwiderte ruhig: "Ich bin müde. Leg meine Beine in irgendeine Richtung, wo Gott nicht ist." Kazi Rukan-ud-din nahm ärgerlich Nanak's Füße und bewegte sie in die entgegengesetzte Richtung. Die Moschee begann sich ebenfalls zu bewegen. Der Kazi war wie vom Donner gerührt. Jetzt erkannte er die Größe von Guru Nanak.
Guru Nanak besuchte um 1520 Hassan Abdal im Attock Distrikt an der Nordwestgrenze. Er saß unter einem Baum am Fuße eines Hügels. Auf dem Hügel lebte ein mohammedanischer Heiliger namens Vali Quandhari. Auf dem Hügel gab es eine kleine Quelle. Mardana holte regelmäßig Wasser von dieser Quelle. Guru Nanak wurde in kürzester Zeit sehr berühmt. Der mohammedanische Heilige wurde immer eifersüchtiger. Schließlich verbot er Mardana Wasser von der Quelle zu holen. Mardana informierte Guru Nanak über das Verbot des Heiligen. Guru Nanak sagte zu Mardana: "Oh Mardana! Fürchte dich nicht. Gott wird uns bald Wasser herunterschicken." Die Quelle auf dem Hügel versiegte. Am Fuße des Hügels, wo Guru Nanak rastete, tat sich plötzlich eine neue Quelle auf. Der Heilige auf dem Hügel wurde wütend. Er schleuderte einen Felsbrocken vom Hügel hinunter auf die Stelle, wo sich Nanak befand. Guru Nanak stoppte den Brocken mit seiner offenen Hand. Der Eindruck der Hand auf diesem Felsbrocken ist noch heute zu sehen. Der Heilige kam zu dem Guru, verneigte sich zu Nanak's Füßen und bat um Verzeihung. Guru Nanak lächelte und verzieh dem arroganten Heiligen. Heute findet man neben der Quelle einen Schrein, der als Punja Sahib bekannt ist.
Guru Nanak fühlte, dass es nicht richtig wäre, die Erinnerung an den Namen des Herrn um einen Atemzug zu verschieben, denn niemand weiß, ob der Einatmung auch eine Ausatmung folgt. Nanak sagte: "Wir sind Menschen eines Atemzuges. Ich kenne keine längere Zeiteinheit." Guru Nanak nennt nur den einen wahren Heiligen, der sich des Namens des Herrn bei jeder Ein- und Ausatmung erinnern könnte. Diese Vorstellung ist praktisch und von jedem erreichbar. Er erzählte den Leuten, sie sollten keine Zeit verlieren und sofort damit beginnen. Er sagte auch, es gäbe beim Fortschritt hin zum Ziel keine Unterschiede in Rang, Namen, Kaste und Hautfarbe. Er erkannte die große Wahrheit in der Gemeinsamkeit aller Religionen. Er predigte die universale Bruderschaft der Menschen und die Vaterschaft Gottes für alle Menschen.
Guru Nanak war ein Reformer. Er griff die Korruption der Gesellschaft an. Er protestierte scharf gegen den Formalismus und Ritualismus. Er rief alle Menschen zum Frieden auf, und einander zu lieben. Er war in seinen Ansichten sehr liberal. Er beachtete die Regeln der Kasten. Er wollte unbedingt den Aberglauben der Menschen aus dem Weg räumen. Er predigte Reinheit, Gerechtigkeit, Güte und Liebe zu Gott. Er bemühte sich, der moralische Zersetzung entgegenzutreten, die unter den Menschen immer weiter um sich griff, und durch wirklichen Spirit in der Verehrung Gottes und durch aufrichtiges Vertrauen in Religion und Gott zu ersetzen. Er führte das Singen in Begleitung von Instrumenten zur Ehre Gottes ein, so als würde damit der Mensch seine Seele mit Gott verbinden. Wo auch immer er hinging, nahm er Mardana mit seinem Instrument mit, damit er ihn musikalisch begleiten konnte, wenn er sang. Er sagte: "Diene Gott, diene den Menschen. Nur der Dienst an den Menschen wird einen Platz im Himmel sichern." Guru Nanak hatte großen Respekt gegenüber Frauen. Er erlaubte ihnen, an all seinen Zusammenkünften teilzunehmen. Er ließ sie an allen religiösen Handlungen teilhaben.
Guru Nanak sagte klar: "Der Weg zu Gott ist lang und anstrengend. Es gibt keine Abkürzungen für reiche Leute. Jeder muss sich der gleichen Disziplin unterziehen. Jeder muss seinen Geist durch den Dienst am Menschen und durch die Erinnerung an seinen Namen reinigen. Jeder muss ohne Murren und Knurren nach dem Willen des Herrn leben. Wie kann man Ihn finden? Es gibt einen Weg. Mache seinen Willen zu deinem eigenen. Sei im Einklang mit dem Unendlichen. Es gibt keinen anderen Weg." Die erste Stufe, um den göttlichen Willen zu seinem eigenen zu machen, wird dadurch erreicht, dass man um göttliche Gnade bittet, - Ardas für Guru Prasad. Guru Nanak legte sehr viel Wert auf das Beten. Er sagte, dass man nichts ohne die göttliche Gnade erreichen könnte. Er sagte: "Erreiche Gott in vollkommener Ergebenheit. Ergebe dich Seiner Gnade. Gib Stolz, Show und Egoismus auf. Bitte um Seine Freundlichkeit und Gunst. Denke nicht an deine eigenen Verdienste und Fähigkeiten. Sei darauf vorbereitet, im Streben nach Seiner Liebe und Einheit mit Ihm, zu sterben. Liebe Gott, wie eine Frau ihren Ehemann liebt. Übe uneingeschränkte Hingabe. So kannst du göttliche Liebe und Gnade erringen."
Im so genannten Japji sind wunderschöne Kompositionen mystischer Gedichte enthalten. Sie werden von den Sikh bei Tagesanbruch gesungen. Die Sohila beinhaltet die Abendgedichte. In der Japji hat Guru Nanak kurz die Stufen beschrieben, die man durchlaufen muss, um den Ort der Stille oder ewige Glückseligkeit zu finden.
Es gibt fünf Stufen. Die erste Stufe heißt Dharm Khand oder "das Reich der Pflichten". Jeder muss seine Aufgaben vollkommen erfüllen. Jeder muss auf dem Pfad der Rechtschaffenheit wandeln. Jeder wird nach seinen Handlungen beurteilt.
Die nächste Stufe ist Gyan Khand oder "das Reich des Wissens", wo der Geist des göttlichen Wissens regiert. Der Strebende erledigt seine Pflichten voller Vertrauen und Aufrichtigkeit. Er hat jetzt die Gewissheit, dass er nur bei völliger Pflichterfüllung die Glückseligkeit, das Ziel des Lebens, erreichen kann.
Die dritte Stufe ist Sharam Khand, "das Reich der Ekstase". Es handelt sich um spirituelle Verzückungen, Schönheit. Das Dharma wird zur eigenen innewohnenden Natur. Es ist nicht mehr länger nur eine Pflicht oder ein Wissen um diese Angelegenheit.
Die vierte Stufe ist Karam Khand oder "das Reich der Macht". Der Gott der Macht regiert über dieses Reich. Der Strebende wird immer mächtiger. Er wird zu einem mächtigen Helden. Er wird unbesiegbar. Die Furcht vor dem Tod verschwindet.
Die fünfte und letzte Stufe ist Sach Khand oder "das Reich der Wahrheit". Hier regiert das/ der formlose Eine. Hier wird der Strebende eins mit Gott. Er hat den Zustand des Göttlichen erreicht. Er hat sich selbst in Göttlichkeit verwandelt. Er hat das Ziel des Lebens erreicht. Er hat den permanenten Ort der Stille gefunden. Hier endet die anstrengende Reise der Seele.
Guru Nanak bestand immer wieder auf Folgendes: "Verwirkliche die Einheit mit allem. Liebe Gott. Liebe Gott im Menschen. Besinge die Liebe Gottes. Wiederhole den Namen Gottes. Besinge Seine Ehre. Liebe Gott, wie der Lotus das Wasser liebt, wie ein Vogel den Regen liebt, wie die Frau ihren Ehemann liebt. Lass deine göttliche Liebe durch die Schreibfeder "sprechen" und lass dein Herz zu deinem Schriftsteller werden. Wenn du Seinen Namen wiederholst, lebst du; wenn du Ihn vergisst, stirbst du. Öffne Ihm dein Herz. Trete in die Gemeinschaft mit Ihm. Sinke in Seine Arme und fühle die göttliche Umarmung."
Nanak hat Seine Lehren in einer seiner Hymnen zusammengefasst:
Liebe vertrauensvoll die Heiligen:
Lass den Stolz beiseite.
Die Erinnerung an das Wesen der Religion
bedeuten Sanftmut und Sympathie.
Nicht die schönen Kleider,
nicht das Gewand und die Asche der Yogis,
nicht das Blasen des Horns,
nicht der kahlrasierte Kopf,
nicht die langen Gebete,
nicht das Rezitieren und die Selbstkasteiung,
nicht der asketische Weg,
sondern ein Leben in Güte und Reinheit
inmitten der weltlichen Verlockungen
ist der richtige Weg."Vahe Guru" ist das Guru Mantra für die Anhänger von Guru Nanak. Die anderen bedeutenden Mantras zur Wiederholung sind: "Ek Omkar Satnam Karta Purkh Nirbhav Nirvair, Akalmurat Ajuni Savai Bhang Gur Prasad, - Gott ist Eins, Sein Name ist Wahrheit, Er ist der Schöpfer, Er durchdringt das ganze Universum, Er ist ohne Furcht, Er hat keine Feinde, Er ist unsterblich, Er ist ohne Geburt, Er ist aus sich selbst geboren und selbst-existent, Er entfernt die Dunkelheit (der Unwissenheit) und Er ist dankbar." Der Herr ist ewig. Er hat keinen Anfang und kein Ende.
Guru Nanak erfand die Gurumukhi Zeichen, indem er die Sanskrit-Zeichen vereinfachte. Die heilige Granth der Sikhs wurde in Gurumukhi verfasst. Die heilige Schrift wird von den Sikhs und Sindhis verehrt. Jeder Gurudwara besitzt eine Granth Sahib. Die heilige Granth, die als Adi Granth populär geworden ist, beinhaltet die Hymnen der ersten fünf Gurus. Sie wurden alle gesammelt, arrangiert und von dem fünften Guru in einem Band als "Guru Granth Sahib" zusammengefasst. Das Buch beinhaltet eine Auswahl der Hymnen von Kabir und anderer zeitgenössischer Vaishnavite Heiliger. Später wurden die Hymnen des neunten Gurus von dem zehnten Guru in der heiligen Granth hinzugefügt. Die Kompositionen von Guru Nanak sind sehr umfangreich.
Die Granth Sahib beginnt wie folgt: "Es gibt nur einen Gott, den Schöpfer, dessen Name Wahrheit ist." Im Buch wird ein Codex von hoher Moral beschrieben, d.h. es wird großer Wert auf Reinheit des Lebens, Gehorsam dem Guru, Dankbarkeit, Wohltätigkeit, Mäßigkeit, Gerechtigkeit, Einfachheit, Wahrhaftigkeit, Opferbereitschaft, Dienst, Liebe und Abstand vom Tierfleisch (Vegetarismus) gelegt. Lust, Zorn, Stolz, Hass, Egoismus, Gier, Selbstsucht, Grausamkeit, Verleumdung und Falschheit werden vehement verdammt.
Zum Ende seines Lebens siedelte Nanak in Khartarpur. Zum ersten Mal kam dort seine ganze Familie zusammen. Es wurden Häuser errichtet, und ein Dharmashala wurde ebenfalls erbaut. Mardana lebte bei seinem Guru. Jeden Tag fand Japji und Sohila (Morgen- und Abendgebete) statt und wurde in Gegenwart von Guru Nanak rezitiert. Guru Nanak starb im Jahre 1538 im Alter von 69 Jahren. Guru Angad war sein Nachfolger. Die weiteren Gurus waren: Guru Amardas, Guru Ramdas, Guru Arjun Dev, Guru Hargovind, Guru har Rai, Guru Har Krishna, Guru Tej Bahadur und Guru Gobind Sing.
Möge der Segen von Guru Nanak über allen sein!