Lord Gauranga
(Sri Krishna Chaitanya Mahaprabhu)Alle Texte und Übersetzungen unterliegen dem © Copyright "The Divine Life Trust Society" (Rishikesh, Indien)
Inhaltsverzeichnis:
Geburt und Eltern
Kindheit und Studienzeit
Tod von Gaurangas Vater
Ein Wendepunkt in Gaurangas Leben
Nitai
Gauranga wird Sannyasin
Verwandlung von Jagai und Madhai
Gespräche mit einem Wäscher
Pilgerreisen
Das Wunder von Puri
Die Verwandlung von Sarvabhauma
Die Heilung eines Leprakranken
Kirtan in der Residenz von Sreebas
Die Gottheit mit den sechs Händen
Der Sprung ins Wasser
Seine letzten Worte
Sikshataka
Der Gelehrte Jagannath Misra, alias Purandar Misra, ein frommer Brahmin aus der Unterkaste der Vaidik, siedelte von Sylhet nach Nadia oder Nabadwip um, einer Stadt mit vielen Gelehrten im Nabadwip Distrikt von Westbengalen, die am Ganges, 75 Meilen nördlich von Kalkutta liegt. Jagannath Misras Frau war Sachi Devi, eine Tochter des Gelehrten Nilamber Chakravarti. Sie war ebenfalls sehr fromm. Sie hatten einen Sohn, der in einer Vollmondnacht, am 4. Februar 1486 in Nabadwip geboren wurde.
Das Neugeborene wurde Viswambar genannt. Es war bereits das zehnte Kind von Jagannath Misra und Sachi Devi. Die ersten acht Kinder, waren Mädchen, die allesamt kurz nach der Geburt verstarben. Das neunte Kind war Viswarup, ein Sohn. Er kehrte der Welt im Alter von 16 Jahren den Rücken als er zur Heirat gezwungen werden sollte und ging in ein Kloster in Südindien. Die Frauen gaben Viswambar den Namen Nimai, der dem Neem-Baum entlehnt war und als ein Schutz gegen alle üblen Einflüssen helfen sollte, denn sie waren der Ansicht, dass Sachi zu viele Kinder verloren hatte. Nachbarn nannten ihn auch Gauranga (schöner Teint), weil er wundervoll aussah. Gaur bedeutet schön und Anga bedeutet Körper; sie nannten ihn auch Gaur-hari, denn er mochte den Namen 'Hari' so gern, denn nichts konnte ihn aus der Ruhe bringen.
Gauranga lernte an der Schule von Vasudev Sarvabhauma, einem renommierten Professor der Nyaya. Die außerordentliche Intelligenz Gaurangas erregte die Aufmerksamkeit von Raghunath, dem Author des berühmten Buches 'Didheeti' über Logik. Raghunath glaubte von sich selbst, dass er wohl der begabteste Mann der ganzen Welt sei, intelligenter als sein Lehrer Sarvabhauma. Raghunath wollte zum größten Gelehrten der ganzen Welt werden. Doch als er merkte, dass Gauranaga intelligenter, gebildeter und jünger als er selbst war, beschlich ihn Hoffnungslosigkeit und Furcht. Gauranga schrieb gerade einen Kommentar zur Nyaya. Dieses machte Raghunath noch nervöser. Raghunath wollte unbedingt den Kommentar von Gauranga kennen lernen. Doch er zweifelte, ob Gauranga dem zustimmen würde. Und doch bat Raghunath Gauranga, ihm den Kommentar über Nyaya zu zeigen bzw. vorzulesen. Gauranga war sofort bereit, den Kommentar vorzulesen. Als sie mit einem Schiff den Fluss überquerten, las Gauranga seinen Kommentar vor. Raghunath fand, dass Gaurangas Kommentar von meisterlicher Hand war. Raghunath's Hoffnung zum ersten Professor bezüglich der Nyaya ernannt zu werden, schwand dahin. Er litt sehr darunter. Gauranga fragte: "Bruder Raghunath, was ist mit dir los? Warum bist du so traurig? Kann ich dich trösten?" Raghunath kam mit der Wahrheit heraus: "Gauranga ich wollte unbedingt den ersten Platz als Professor in der Welt bzgl. der Nyaya einnehmen. Ich habe ein Buch über die Nyaya in der Hoffnung geschrieben, dass es alles bisher Dagewesene ausstechen würde. Doch meine ganze Hoffnung ist nun dahin, denn dein Buch ist besser als meins. Es ist klarer, kürzer und prägnanter als meins. Es ist wirklich ein Meisterwerk. Darum bin ich so traurig."
Gauranga brach in Tränen aus. Er sagte zu Raghunath: "Ist das alles? Dann sei nicht traurig, denn die Nyaya ist eine trockene Philosophie. Ich bin nicht besonders von ihr angetan." Danach warf er sein Manuskript in den Fluss. Von diesem Zeitpunkt an gab Gauranga die Studien über die Nyaya auf. Welch ein großes Herz hatte Gauranga!
Gauranga meisterte alle Zweige des Sanskrit, wie Grammatik, Logik, Literatur, Rhetorik, Philosophie und Theologie. Er entwickelte viele Talente. Er war einfach genial. Er richtete einen 'Platz des Lernens (Tol)' ein. Als er sechzehn Jahre alt war, wurde er der jüngste Professor in einer solchen Einrichtung.
Gauranga war freundlich und mitfühlend, großzügig und rein, liebevoll, human und sympathisch. Er war ein Freund der Armen. Er lebte mit ihnen, half ihnen und spendete ihnen Trost. Er führte ein einfaches Leben.
Während Gauranga noch studierte, verstarb sei Vater. Nach dem Tode seines Vaters heiratete Gauranga Lakshmi, die Tochter von Vallabhacharya. Er übertraf inzwischen alle Gelehrten und war auch besser als alle Gelehrten der Nachbarprovinz. Er reiste durch das östliche Bengalen und erhielt viele wertvolle Geschenke von Gelehrten und großherzigen Familienvätern. Auf seiner Heimfahrt hörte er, dass seine Frau durch einen Schlangebiss ums Leben gekommen war. Daraufhin heiratete er Vishnupriya. Er nahm Schüler an und unterrichtete sie. Er selbst war stolz auf sein umfassendes Wissen.
Ein Wendepunkt in Gaurangas Leben
Um 1509 ging er mit einem Bekannten auf Pilgerreise nach Goya. Hier traf er Isvar Puri, einen Sannyasin vom Orden der Madhvacharya, und nahm ihn als Guru an. In Gaurangas Leben fand jetzt eine wundervolle Veränderung statt. Er wurde zum Devote von Lord Krishna. Sein Stolz, in seinem Lernen vollkommen zu sein, verschwand. Er rief: "Krishna, Krishna! Hari Bol, Hari Bol!" Er lachte, weinte, sprang umher, tanzte in Ekstase, fiel auf den Boden und wälzte sich auf dem Boden. Wenn er in Ekstase war, aß er nicht, noch trank er etwas.
Gauranga machte Fortschritte, den Fußstapfen von Lord Krishna im Gadadhar Tempel zu folgen. Er stand bewegungslos wie eine Statue vor den Fußstapfen. Er wurde in Meditation schier aufgesogen. Tränen schossen aus seinen Augen. Seine Kleidung war durchnässt von Tränen. Er drohte hinzufallen. Isvar Puri eilte zu ihm und stütze ihn. Langsam kam Gauranga wieder zu Bewusstsein. Er sprach zu Isvar Puri: "Oh ehrwürdiger Guru, las Gnade walten. Befreie mich vom Sumpf der Samsara (Wiedergeburt). Initiiere mich in die Wunder von Radha's Liebe zu Krishna. Lass mich reine Liebe zu Lord Krishna entwickeln. Lass mich den Nektar von Krishna-Prema-Rasa trinken."
Isvar Puri gab Gauranga das zehnsilbige Mantra von Lord Krishna. Purva Raga (Liebe entspringt aus der vorherigen Ursache) dämmerte im Herzen von Gauranga. Er verharrte ständig in einem meditativen Zustand. Er vergaß Nahrung zu sich zu nehmen. Tränen rollten über sein Gesicht. Manchmal überfiel ihn die Ohnmacht. Er murmelte immer wieder: "Lord Krishna, mein Vater! Wo bist du! Ich kann ohne dich nicht leben. Du bist die Zuflucht meiner Seele, mein Trost. Du bist mein wirklicher Vater, meine Mutter, mein Freund, mein Verwandter und Guru. Offenbare dich mir." Manchmal starrte Gauranga mit leeren Augen vor sich hin. Manchmal hatte er die Sitzposition zur Meditation eingenommen. Er suchte stille Tränen vor seinem Begleiter zu verbergen. Manchmal war er sich seines Umfeldes nicht bewusst. Gauranga wollte nach Brindavan gehen, doch sein Begleiter drängte und brachte ihn zurück nach Nabadwip.
Nitai, alias Nityananda, war von Geburt ein Brahmin. Von seinem zwölften Lebensjahr an lebte er als Asket. Er wanderte umher auf der Suche nach Krishna. Er verweilte eine Zeit lang Brindavan, doch er konnte seinen Krishna nicht finden. Gauranga nahm Nityananda in sein Haus auf und stellte ihn seiner Mutter vor: "Mutter hier ist ein anderer Sohn von dir. Es ist mein älterer Bruder. Der verlorene Viswarup ist jetzt zurückgekommen. Nimm ihn als deinen Viswarup an." Sachi sagte zu Nitai: "Komm Kind. Achte auf deinen jüngeren Bruder. Beschütze ihn. Er ist unachtsam und gedankenlos. Jetzt brauche ich keine Angst mehr um ihn zu haben. Setz dich, mein Kind. Iss und sei glücklich."
Nityananda leitete an verschiedenen Plätzen der Stadt Sankirtan. Hari Nama erschallte es überall in Nabadwip. Nitai verbrachte ganze Nächte mit Singen und Lobpreisungen von Radha und Krishna. Häufig wurden Prozessionen arrangiert, wo die Devotes, angeführt von Gauranga und Nityananda, tanzend und singend durch die Straßen zogen oder sich auf den Höfen der Häuser versammelten.
Gauranga war die Verkörperung von Liebe. Er lebte, bewegte sich in seinem ganzen Sein in Liebe. Seine Rede war voller Liebe. Er strahlte Liebe an alle aus. Seine Berührung knisterte magnetisch von Liebe. Er sang voller Liebe. Er atmete Liebe. Er spazierte in Liebe. Er zeigte praktisch, wie Gott geliebt werden muss. Er lehrte ein wenig durch das Prinzip, doch mehr durch sein Beispiel. Wenn er nur sagte: "Du bist durch Bhakti gesegnet", war es genug, um denjenigen direkt in Samadhi mit einem Herzen voller Liebe zu versetzen. Solche Kraft hatte Gauranga.
Wenn Gauranga die Straßen entlang ging, dann überschüttete er automatisch Tausende mit seiner Liebe. Er wiederholte unwiderstehlich: "Hari Bol! Hari Bol!" und tanzte in Ekstase.
Die Gebildeten und die Orthodoxen begannen ihn zu hassen und sich gegen ihn zu wenden. Doch Gauranga blieb in seiner Haltung unnachgiebig. Er verwandelte nur wenige Menschen. Er entschloss sich, zu ihrer Befreiung, Sannyasin zu werden. Er dachte bei sich: "Da ich für all diese stolzen Gelehrten und orthodoxen Familienväter Befreiung erlangen muss, muss ich Sannyasin werden. Sie werden sich automatisch beugen, wenn sie mich als Sannyasin sehen, und werden auf diese Weise befreit, und ihre Herzen werden mit Hingabe erfüllt werden. Es gibt für sie keinen anderen Weg zur Befreiung aus ihrer Knechtschaft.
So wurde Gauranga durch Swami Keshava Bharati unter dem Namen von Krishna Chaitanya, abgekürzt Chaitanya, initiiert. Seiner Mutter brach es das Herz. Doch Chaitanya unterstütze sie auf alle erdenkliche Weise und erfüllte ihr alle Wünsche. Er empfand bis an sein Lebensende tiefe Liebe zu seiner Mutter.
Chaitanya war leidenschaftslos. Er wies jegliche Form sinnlicher Vergnügen wie Gift von sich. Er war bei der Einhaltung der Sannyasa-Regeln außerordentlich streng mit sich selbst. Er lehnte ein Interview mit Raja Pratap Rudra ab, denn für einen Sannyasin gilt es als Sünde, einen König zu sehen. Es ist genauso sündhaft, wie das Anschauen eines weiblichen Wesens. Wenn ein Sannyasin einen Raja oder König sieht, fühlt er sich schrittweise zu ihm hingezogen. Da der Geist die Gewohnheit der Nachahmung in sich trägt, beginnt der Sannyasin ein Leben in Luxus zu führen und erleidet möglicherweise einen Zusammenbruch. Aus diesem Grunde ist es einem Sannyasin verwehrt, einen Raja zu sehen. Gauranga hat niemals einer Frau ins Gesicht geschaut. Er gestattete niemals einer Frau zu ihm zu kommen. Er schlief auf den nackten Fußboden.
Gauranga war ein großer Prediger des Vaishnavite. Er verbreitete die Doktrin und Grundsätze von Vaishnavismus. Nityananda, Santan, Rupa, Swarup Damodar, Advaitacharya, Sribas, Haridas, Murari, Gadadhar und andere halfen Chaitanya bei seiner Mission.
Die Verwandlung von Jagai und Madhai
Jagai und Madhai aus Nabadwip waren die schlimmsten Sünder und Kriminellsten, die je bekannt geworden sind. Sie waren Brüder. Sie plünderten die Reichen, missachteten die Sittsamkeit der Frauen und engagierten bei der kleinsten Gelegenheit Mörder. Es gab auf Erden keine schlimmeren Verbrecher. Obwohl sie aus der Kaste der Brahmin stammten, waren sie unüberwindbare Trunkenbolde.
Chaitanya und Nitai unternahmen den ernsthaften Versuch, die beiden Brüder wieder auf das rechte Gleis zurückzuführen. Chaitanya schlug vor, zu den Zelten von Jagai und Madhai zu gehen, ständig Kirtan zu singen und ihnen Hari Nam zu bringen.
Chaitanya und seine Anhänger gingen auf die Straße und begannen mit Sankirtan. Nitai führte die Gruppe an. Er führte die kleine Gesellschaft zu den Zelten von Jagai und Madhai. Auf diese Weise kam er mit ihnen Angesicht zu Angesicht. Nitai sagte: "Betet Brüder, nehmt Krishnas Namen und dient Krishna, denn er ist der absolute Herr." Diese Ermahnung stachelte den Stärkeren der beiden Brüder an. Madhai bewarf Nitai mit einer Tonscherbe eines zerbrochenen Tontopfes und fügte ihm damit eine Wunde an der Stirn zu. Blut spritze aus der Wunde. Nitai presste beide Hände auf die Wunde, um den Blutstrom zu stoppen. Madhai hob eine weitere Tonscherbe vom Boden und wollte sie wieder auf Nitai werfen. Doch Jagai fasste Madhai's Arm und hielt ihn vom Vorhaben ab: "Halt Madhai. Du bist grausam. Worin liegt der Verdienst, einen Sannyasin zu töten? Es wird dir nicht gut bekommen."
Gauranga, der sich am Ende des Zuges befand, wurde zugetragen, dass Jagai und Madhai Nitai töten wollten. Gauranga rannte sofort zu dem Punkt, wo Nitai mit seiner Verwundung stand. Er nahm sein Gewand und wickelte es um Nitais Stirn, um den Blutstrom zu stoppen. Er bedankte sich bei Jagai für die gute Tat, dass er Madhai von seinem Vorhaben abhielt, Nitai weiterhin zu attackieren. Jagai sank in einem Zustand von Trance nieder. Madhai war verzweifelt. Er berührte die Füße Gaurangas: "Oh Herr, ich bin ein großer Sünder. Hab Gnade mit mir." Gauranga bat Madhai zu Nitai zu gehen, und um Verzeihung zu bitten. Madhai bedauerte gegenüber Nitai sein Verhalten. Nitai verzeihte ihm. Madhai fiel, wie sein Bruder, in Trance.
Danach wurden die Brüder zu Heiligen. Sie wurden genauso beliebt, wie sie früher auf Grund ihrer Taten gehasst wurden. Sie machten ihre Missetaten in der Weise wieder gut, dass sie vor Jedermann, der zum Fluss zum Baden ging, in tiefer Demut auf die Knie fielen und niedere Dienste für ihn verrichteten. Sie erbauten mit dem Spaten in der Hand ein Bade-Ghat, der in Nabadwip immer noch den Namen "Madhais Ghat" trägt.
Gauranga kam mit seinen Begleitern zu einem Wäscher, der mit Wäschestücken auf eine Planke schlug. Er bat den Wäscher 'Hari Bol!' zu sagen. Der Wäscher dachte, dass die Bettelmönche gekommen seien, um ihn um Almosen zu bitten. Er sagte zu Gauranga: "Oh Bettelmönch, ich bin sehr arm. Ich kann dir nichts geben. Gauranga sagte: "Ich will nichts von dir. Sag nur einmal 'Hari Bol!" Der Wäscher weigerte sich. Er dachte, er wäre dann dazu aufgefordert, den Bettelmönchen etwas zu geben. "Es tut mir leid. Ich kann das Schlagen der Wäsche nicht unterbrechen, um den Namen zu sagen, den du mir gegeben hast." Gauranga sagte: "Ich übernehme für dich das Schlagen der Wäsche. Bitte sag', 'Hari Bol!" Dann bat Gauranga ihn den Namen zweimal zu wiederholen. Der Wäscher tat, wie ihm gesagt wurde. Dann begann das Feuer der Hingabe zu brennen. Der Wäscher wiederholte den Namen ungefragt. Er begann in Ekstase zu tanzen und warf dabei seine Arme in die Höhe.
Die Frau des Wäschers brachte ihm das Essen. Sie sah ihren Mann tanzend mit hocherhobenen Armen singend: "Hari Bol! Hari Bol!" Sie bemerkte, dass ihr Mann seine Umgebung nicht mehr wahr nahm. Sie versuchte ihn vergeblich zu wecken, indem sie laut rief, doch nichts half. Sie begann sich zu fürchten. Sie rannte ins Dorf und sagte ihren Verwandten und Nachbarn: "Ein Geist hat Besitz von meinem Gatten ergriffen. Bitte helft mir. Treibt ihm den Geist aus." Sie gingen alle, um sich den Wäscher anzusehen. Er tanzte immer noch in Ekstase. Sie fürchteten näher heranzugehen. Zu guter Letzt ergriff ein kräftiger Mann den Wäscher und versuchte sein Tanzen zu stoppen. Doch dieser wurde angesteckt und begann ebenfalls zu tanzen. "Hari Bol! Hari Bol!" Er umarmte die Zuschauer, die ebenfalls zu tanzen anfingen. Die Menschen des ganzen Dorfes wurden angesteckt. Gauranga erfreute sich der Szenerie und verließ alsbald den Ort.
Chaitanya ging mit seinem Freund Nityananda nach Orissa. Wo auch immer er hinkam, predigte er über Vaishnavismus und hielt Sankirtan. Überall zog er tausende von Menschen an. Er blieb einige Zeit in Puri und ging dann nach Süden. Gauranga besuchte die Tirupathi Hügel, Kancheepuram und die berühmten Srirangam am Ufer des Cauvery. Von Srirangam ging er weiter nach Madurai, Rameswaram und Kanyakumari. Er besuchte auch Udipi, Pandharpur und Nasik. Er besuchte Brindavan. Er badete im Yamuna und vielen anderen heiligen Gewässern, besuchte viele heilige Schreine, um diese zu Ehren. Er betete und tanzte nach Herzenslust. Er besuchte auch wieder Nabadwip, seinen Geburtsort. Zuletzt ging er wieder nach Puri, um sich dort niederzulassen. Schüler und Verehrer aus Bengalen, Brindavan und vielen anderen Orten kamen nach Puri, um ihn zu verehren. Gauranga sang mit ihnen und hielt religiöse Lehrreden.
In Puri geschah ein Wunder. Während eines Wagenfestes, ließ sich der Karren von Jagannath nicht bewegen. Alle Pilger versuchten es mit vereinten Kräften, doch nichts geschah. Selbst die gigantischen Elefanten des Raja von Puri konnten den Karren nicht voranbringen. Alle waren im Zustand der Anspannung und in einem Dilemma. Gauranga kam zufällig vorbei. Er stieß gegen den Karren mit seinem Kopf. Der Karren begann sich zu bewegen. Alle Pilger und Devotes erfüllten die Luft mit ihrem Klang von 'Hari Bol!'.
Die Verwandlung von Sarvabhauma
Sarvabhauma Bhattacharya war ein großer Gelehrter der Vedanta. Einmal ging Gauranga im Zustand der Ekstase zum Tempel von Jagannath. Er eilte, um sich mit dem Image zu vereinen, doch er fiel in Ohnmacht. Der Tempelwächter wollte gerade auf Gauranga losgehen. Da nahm der Gelehrte Sarvabhauma Bhattacharya, der Minister des Königs Pratap Rudra von Orissa ihn zu sich nach Haus. Seine Studenten trugen auf ihren Schultern und legten ihn an einer sauberen Stelle des Hauses nieder. Die Devotes wiederholten sangen den Namen 'Hari' in die Ohren von Gauranga. Gauranga kam wieder zu Bewusstsein.
Sarvabhauma dachte, dass Gauranga ein junger Mann wäre, der weder Kontrolle über seine Leidenschaft hätte noch über ein Wissen der Vedanta verfügte. Er liebte weder Kirtan noch Nritya (Tanzen). Er wünschte sich, Gauranga auf den Pfad der Tugend zurückzuführen. Gauranga lauschte über mehrere Tage den Ausführungen Sarvabhauma. Sarvabhauma legte folgenden Vers auf neun verschiedene Arten aus. Chaitanya ließ sein Wissen in Sanskrit aufblitzen legte den Vers in 61facher Form aus. Sarvabhauma war wie vom Donner gerührt.
"Atmaramascha Munayo Nigranthapi Urukrame,
Kurvanty Ahaitukim Bhaktim Ithambhuta Guno Hari""Die Qualität des Hari ist wundervoll, dass selbst die Atmarama Yogis, obwohl sie Nigranthas sind, d.h. jenseits des Einflusses von Illusion oder Shastraic-Einflüssen, kontemplativ und durch das Verehren von Urukrama Hari mit selbstloser Liebe und Hingabe berührt werden." Sarvabhaum hatte weder Hingabe noch Verwirklichung. Er war lediglich ein trockener Gelehrter. Gauranga war ein großer Gelehrter und doch blieb er bescheiden. Er würde sich niemals an Gesprächen beteiligen, die dazu dienten, die Gefühle anderer zu verletzen. Er würde sich niemals erhaben fühlen, wenn er in einer Debatte obsiegen würde. Gauranga verwandelte Sarvabhauma, indem dieser ihm gegenüber Vertrauen entwickeln konnte und widerlegte dessen Argumente eines nach dem anderen. Gauranga umarmte Sarvabhauma. Sarvabhauma fiel in eine Ekstase von göttlicher Freude. Er warf sich zu den Füßen von Gauranga und sagte: "Oh ehrwürdiger Meister! Die Logik hat mein Herz eisenhart werden lassen. Ich hatte keine Hingabe. Du hast mich schmelzen lassen. Ehre über dich, oh machtvoller Herr!"
Die Heilung eines Leprakranken
Vasudeva war ein einfacher, frommer Brahmin von guter Natur. Er litt unter Lepra, einer widerlichen Krankheit. Er war auf Grund des abscheulichen Gestanks, den sein Körper ausstrahlte, dazu gezwungen, entfernt von Freunden und Verwandten zu leben. Er hob die Maden auf, die von seinen Wunden fielen, um sie dort wieder anzusetzen. Vasudeva war außerordentlich mitfühlend und gleichmütig. Er war der Ansicht, dass alle lebenden Wesen das gleiche Recht zu leben hätten, und er selbst nicht das Recht hätte, ihnen, den Würmer, ihre Nahrung vorzuenthalten. Welch eine große Seele mit welch einer Herzensgüte!
Vasudeva lebte lebte im Umfeld des Tempels von Kurma bei Jagannath. Eines Nachts hörte von Chaitanya's Ankunft im Tempel von Kurma. Nächsten Morgen ging er zum Tempel, um ihn zu sehen. Er erfuhr, dass der Meister eine halbe Stunde früher den Tempel verlassen hatte. Als er das hörte, verließ ihn der Mut, er war enttäuscht und voller Sorge und sagte: " Oh Lord Krishna, hast du mich verlassen?"
Chaitanya, der die Straße entlang ging, hörte den Schrei von Vasudeva und rannte zum Tempel. Er hob den Leprakranken auf und umarmte ihn. Die Lepra verschwand und der Körper wurde wieder gesund und schön. Vasudeva sagte: "Oh Herr! Du hast mich umarmt! Alle Menschen flohen auf Grund meines Körpergestanks vor mir. Ich kam hierher, um dir meinen Respekt zu deinen Füßen zu zollen. Ich bin sicherlich nicht mit irgendeinem Gedanken an Heilung hierher gekommen. Die widerliche Krankheit lehrte mich Einfachheit, Mitgefühl und die ständige Erinnerung an den Herrn. Doch ein gesunder Körper wird wieder Stolz und Eitelkeiten hervorbringen und ich werden den Herrn vergessen!"
Chaitanya wandte sich an ihn und sagte: "Oh Vasudeva! Mein Kind! Du hast die Gnade von Lord Krishna. Du wirst niemals mehr mit Stolz und Eitelkeiten erfüllt sein. Lord Krishna hat dich auf Grund deines extremen Mitleids gegenüber allen Lebewesen und selbst gegenüber Würmern, die du auf deinem Körper gefüttert hast, akzeptiert. Wiederhole Krishna's Namen und rette die Menschen, indem sie dazu bringst, Krishna's Namen zu wiederholen."
Kirtan in der Residenz von Sreebas
Der Gelehrte Sreebas war ein aufrichtiger Devote von Gauranga. Die erste Kirtan-Party wurde unter Beteiligung von Chaitanya auf dem Hof von Sreebas abgehalten. An diesem Ort wurde für gewöhnlich Kirtan gesungen.
Es war gerade an der Zeit, wo wieder ein Kirtan in Sreebas stattfand. Eine der Dienerin gab Sreebas ein Zeichen mit der Bitte ins Haus zu folgen. Sreebas ging in das Haus. Sreebas Sohn litt ernsthaft an Cholera. Sreebas sah, dass sein Sohn im Sterben lag. Seine Frau weinte. Sreebas bat sie, nicht zu weinen, denn es würde die Freude des Herrn stören. Es sei ein großes Glück, dass der Sohn gerade in dem Augenblick sterben würde, wenn Kirtan im Hause abgehalten würde. Wenige Minuten später starb sein Sohn. Sreebas ging zurück in den Hof und tanzte voller Freude weiter. Er war überhaupt von dem Ereignis nicht berührt. Diese Angelegenheit konnte nicht lange geheim bleiben. Irgendwie kam es einem Teilnehmer zu Ohren. Er hörte auf zu singen und zu tanzen. Ein anderer hörte von dem Ereignis. Er hörte ebenfalls zu singen auf und wollte sich den Zustand von Sreebas anschauen. Allmählich hörten alle mit Singen und Tanzen auf. Auch Gauranga hielt inne und fragte: "Woran liegt es, dass ich heute nicht soviel Freude empfinde? Ist irgendetwas Ernsthaftes geschehen. Er blickte mitleidig auf Sreebas.
Sreebas antwortete: "Kann mir irgendetwas zustoßen, wenn der Herr in meinem Hause Kirtan abhält?" Ein anderer Devote sagte: "Es ist wahr Herr. Ein großes Unglück ist geschehen. Der Sohn von Sreebas ist gestorben." Chaitanya fragte: "Wann ist er gestorben?" Der Devote antwortete: "Er ist vor sechs oder sieben Stunden verstorben." Chaitanya brach in Tränen aus. Er sagte: "Bringt das Kind zu mir." Der Körper des toten Kindes wurde zu Gauranga gebracht. Gauranga berührte den Kopf des Kindes und befahl ihm zu sprechen. Der Junge sprach: "Ich verlasse den Körper für ein besseres Leben. Oh Herr, möge meine Seele bei deinen Lotusfüßen bleiben!" Die Seele verließ wiederum den Körper des Kindes. Gauranga sprach zu Sreebas und dessen Frau Malinee: "Ich und Nityananda werden den Platz eures dahingeschiedenen Kindes einnehmen. Habt keine Angst." - Welch großes sympathisches Herz Gauranga hatte.
Die Gottheit mit den sechs Händen
Die Anhänger Chaitanyas sahen in ihm eine Gottheit mit sechs Händen. Man sagte, dass er sich gegenüber Sarvabhauma, Ramananda Ray und Nitai mit sechs Händen gezeigt haben soll: die ersten beiden trugen Pfeil und Bogen; die zweiten beiden Hände hielten eine Flöte, um darauf zu spielen und das dritte paar hielt Danda und Kamadalu (Stock und Topf). Durch diese Offenbarung gab Chaitanya Nitai zu verstehen, dass er Rama und Krishna zugleich verkörperte.
Wenn Gauranga in hingebungsvoller Ekstase war, sprang er in die blaue See bei Puri. Er stellte sich vor, das Gewässer wäre der Yamuna. Er wollte an der Freude der Gopis von Brindavan teilhaben. Da sein Körper durch das beständige Fasten und Wachsein ausgemergelt war, trieb er auf dem Wasser und geriet in das Netz eines Fischers. Es war nachts. Der Fischer freute sich als er bemerkte, dass sein Netz schwer war. Er glaubt schon an einen großen Fisch. Er zog das Netz unter Aufbietung aller Kräfte ans Ufer und fand in seinem Netz nur einen menschlichen Körper. Er war sehr enttäuscht. Der Körper gab ein schwaches Geräusch von sich. Der Fischer sah in ihm einen Geist. Er fürchtete sich. Mit zitternden Schritten ging er am Ufer entlang. Swaroopa und Ramananda, die seit Sonnenuntergang nach ihrem Meister suchten, trafen den Fischer. Swaroopa fragte den Fischer, ob er Gauranga Deva irgendwo gesehen hätte. Der Fischer erzählte seine Geschichte. Daraufhin eilten Swaroopa und Ramananda an die Stelle, wo das Netz lag. Sie befreiten ihren Meister aus dem Netz und richteten ihn auf. Sie sangen laut "Hari". Gauranga kam wieder zu Bewusstsein.
Lord Gauranga sagte zu Swaroopa und Ramananda Raj: "Hört mir zu. Das Singen von Krishna's Namen bedeutet, dass man die Füße Krishnas in der Kali Yuga Zeit erreichen kann. Sankirtan bedeutet in dieser Eisenzeit absolute Heilung. Sankirtan hat die gleiche Bedeutung wie ein vedisches Opfer. Sankirtan zerstört die Sünden, reinigt das Herz und bringt Bhakti hervor. Singt den Namen überall, gleichwohl, ob ihr sitzt, steht, geht, esst oder im Bett liegt. Der Name ist allmächtig. Ihr könnt den Namen überall und zu jeder Zeit wiederholen."
"Ich erzähle euch von der mentalen Einstellung, mit der man Seinen Namen rezitieren sollte. Hari's Namen sollte mit der Einstellung rezitiert werden, als wäre man ein niedergetretener Grashalm, der auf mehr verzichtet als ein Baum, der nicht einmal aufschreit, wenn er gefällt wird, und der nicht um Wasser bettelt, selbst wenn er am verdorren ist, sondern allen Lebewesen vor der Sonne und dem Regen Schutz bietet, ohne etwas zu dafür verlangen. Derjenige, der auf diese Weise Kirshna's Namen singt wird zu Krishna-Prem."
Lord Gauranga wurde noch bescheidener und rezitierte folgende Sloka:
"Oh Herr, ich bitte weder um Reichtum, noch um Anhänger oder um poetische Fähigkeiten. Möge meine absichtslose Hingabe zu dir sich fortsetzen, wann immer ich wiedergeboren werden."
Gauranga starb am 14. Juni 1533.
Chetodarpana Majanain Bhva Mahadavagni Nirvapanam
Sreyah Kairava Chandrikaa Vitaranam Vidhyavadhoo Jivanam;
Anadambudhi Vardhanam Pratipadam Purnamrita Swadanam
Sarvatmasnapanam Param Vijayate Sri Krishna Sankirtanam."Über allem steht das Singen der verschiedenen Namen Krishna's, was den Spiegel von Chitta (das Unterbewusstsein) reinigt und was das Feuer der immer wiederkehrenden Geburten und Tode verlöschen lässt. Es wirkt wie die Strahlen des Mondscheins auf die weißen Maiglöckchen des spirituellen Wohlseins ein, was wie das Lebenselixier des leuchtenden Vidya ist, das den Ozean des Glücks anschwellen lässt, das den Sänger bei jedem Wort in höchste Freude göttlicher Liebe versetzt, und was den Geist und die Sinne in göttlicher Glückseligkeit baden lässt," - Gauranga.
Obwohl Chaitanya bereits in seiner Jugend als Gelehrter weithin bekannt war, hat er nur acht Verse hinterlassen, die als Sikshashtaka bekannt sind. Diese acht Verse offenbaren seine Mission und seine Grundsätze. Diese absolut wertvollen Gebete wurden hier übersetzt:
Ehre gebührt dem Sri Krishna Sankirtan, das das Herz von allem Schmutz vieler Jahre reinigt und das Feuer des durch Geburt und Tod bedingten Lebens auslöscht. Diese Sankirtan Bewegung ist der schönste Segen für die Menschheit überhaupt, denn sie erstrahlt wie der Mondschein. Sie ist das Leben allen transzendentalen Wissens. Sie lässt den Ozean transzendentaler Glückseligkeit anschwellen und versetzt uns in die Lage, den Nektar zu schmecken, vor dem wir uns immer fürchten.
Oh mein Herr, Dein heiliger Name kann den Segen für alles Lebendige bringen, und Du hast unzählige Namen wie Krishna, Govinda usw. In diese transzendentalen Namen hast Du all Deine transzendentalen Energien investiert. Es gibt keine Regeln für das Singen dieser Namen. Oh mein Herr, ohne jede Gefälligkeit versetzt du uns allein durch Deinen Namen in die Lage Dich zu erreichen.
Man sollte den heiligen Namen mit innerer Bescheidenheit singen, und sich dabei als niedriger erachten als das Stroh auf der Straße. Man sollte toleranter als ein Baum sein, ohne jeglichen Sinn für falschen Stolz und gleichzeitig alles Andere respektieren. Mit solch einer Einstellung kann man den heiligen Namen des Herrn beständig singen.
Oh allmächtiger Herr. Ich habe weder den Wunsch nach Werten noch nach schönen Frauen oder vielen Anhängern. Ich möchte Dir nur in jeder Geburt bedingungslos Dienen.
Oh Sohn des Maharaja Nanda (Krishna), ich bin Dein ewiger Diener, und doch bin ich in den Ozean von Geburt und Tod gefallen. Bitte ergreife mich aus diesem Ozean beständiger Geburten und Tode und platziere mich als ein Atom zu Deinen Lotusfüßen.
Oh mein Herr, wann werden meine Augen mit Tränen der Liebe erfüllt sein, wenn ich Deinen heiligen Namen beständig wiederhole? Wann wird meine Stimme von Tränen ersticken, und wann werde ich bei dem Rezitieren Deines Namens eine Gänsehaut bekommen?
Oh Govinda! Im Gefühl der Trennung, betrachte ich den Augenblick, wo ich zwölf Jahre alt oder nur wenig älter bin. Mir kommen die Tränen wie Sturzbäche von Regen, und ich fühle alle Leere der Welt, wenn du nicht da bist.
Ich erkenne niemand Anderen als Krishna meinen Herrn. Er soll selbst mein Herr bleiben, wenn er mich durch seine Umarmung grob behandelt oder mir das Herz bricht, weil Er nicht gegenwärtig ist. Er ist in seiner Handlung völlig frei, denn er ist immer und ohne jede Bedingung mein ehrenwerter Herr!