Am indischen Ozean
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Eine Reise führte mich an den indischen Ozean. Ich hatte gerade beruflich einige schwierige Arbeitswochen hinter mir.
All dieses ging mir durch den Kopf, als die Sonne sich anschickte, am Horizont, über dem indischen Ozean, morgens um 5.00 Uhr aufzugehen. Wie kam ich dorthin? Ein Freund, nennen wir ihn Michael, und ich hatten uns eine kleine Hütte gemietet und wollten am nächsten Tag einige Entwicklungsprojekte für behinderte Kinder in Südindien besichtigen. Michael schlief noch. Ich konnte nicht schlafen, saß im Pyjama am menschenleeren Strand und starrte in die aufgehende Sonne. Es war Anfang November, zur Zeit des Lichterfestes. Die Temperaturen lagen bei ca. 20° C. Es versprach wieder ein heißer Tag zu werden.
Stille! Die Wellen platschten leise gurgelnd ans Ufer. Die Sonne stieg höher. Ich dachte: Palmen, Strand, Meer und aufgehende Sonne, phantastische Farben im leichten Morgendunst. Ich spürte meine Gedanken immer weniger, sah nur das Rot des oberen Drittels der Sonnenscheibe, das blaugraue Wasser und den hellen Sandstrand. Leichter warmer Wind kam auf und durchlüftete meinen Körper und irgendwie auch meinen Geist. Die quälenden Gedanken versiegten allmählich. Ich spürte nur noch das Nachwirken ihrer Energie. Ich registrierte von Ferne, wie die Sonne allmählich immer höher stieg, doch wirklich nahm ich es nicht mehr wahr. Ich war vollkommen wach, doch mein Körper hatte sich aufgelöst. Es gab nur noch Bewusstsein, in dem Sonne, Licht, blauer Himmel, hellwerdender Strand, Palmen und Wasserdünung eine Rolle spielten. Dann spürte ich mich nur noch als ein Teil der ganzen Szenerie. Sie wurde ein Teil von mir und umgekehrt, ich ein Teil des Ganzen. Absolutes Stillstehen von Zeit und Raum. Ein wundervolles Gefühl. Ich hatte aufgehört zu existieren! Es gab nur noch ein Sein-Bewusstsein. –
Ist es so, wenn man stirbt? fragte ich mich plötzlich, wobei ich eine Hand auf meiner Schulter spürte. Es war mein Freund, der mich beobachtet hatte und in Sorge war, weil ich mich seit geraumer Zeit nicht mehr bewegt hatte. Ich muss wohl ungefähr eine Stunde lang so dagesessen haben, doch geschlafen hatte ich nicht, sondern ich war die ganze Zeit hellwach. Die Sonne war inzwischen ganz aufgegangen. Die ersten Fischer zeigten sich und winkten fröhlich herüber. Es ging mir richtig gut, wie lange nicht. Ich war wie ausgewechselt, gut gelaunt und alle Grillen waren wie weggeblasen.
Später hat man mir erzählt, dass dieses Wesen, das bei uns auch Gott genannt wird, mich hat auf diese Szenerie meditieren lassen, um mir seine Schönheit und Wirklichkeit zu offenbaren. - Ich durfte so etwas in den folgenden Jahren am Ganges immer wieder erleben. Es funktionierte ohne Mühen von allein. Es geschah und geschieht einfach! Uns begegnet immer wieder sehr viel Merkwürdiges, Unerklärliches. Wir müssen es nur annehmen, akzeptieren und wahrnehmen, um diese Wunderwelt, in der wir leben, zu erfahren.
OM TAT SAT