Der schönste Teil des Wissens
von Swami Chidananda
übersetzt von Divya Jyoti (German Branch)
Copyright © THE DIVINE LIFE Trust SOCIETY, Rishikesh, Indien -
Das ganze spirituelle Leben ist ein Streben nach spirituellem Wissen. Der Guru ist eine Quelle für dieses Wissen; heilige Schriften, Bücher mit bestimmten Themen über das spirituelle Leben und Sadhana sind ebenfalls Quellen für dieses spirituelle Wissen. Die Funktion des Wissens dient der Beseitigung von Unwissenheit. Man ersetzt Unwissenheit durch Wissen. Das Wissen selbst führt zur Befreiung von Unwissenheit und nimmt dessen Platz ein. Es beseitigt die Dunkelheit und bringt Licht ins Dunkel.
Doch über diese Funktion der Beseitigung der Unwissenheit hinaus, muss man noch verschiedene Fragen über das eigentliche Wissen stellen. Welches ist der schönste Teil des Wissens? Wurde dieser Punkt jemals richtig beleuchtet? Man weiß etwas, doch welches ist der schönste Teil des Wissens nach dem man strebt? Man kann sagen, Wissen als solches ist unteilbar. Es hat etwas Integrierendes. Doch es gibt auch Teile des Wissens, die den Betrachter unmittelbar betreffen.
Wenn man Wissen in Bezug auf sich selbst betrachtet, dann ist es dual. Das Wissen hat eine Beziehung zum Betrachter und umgekehrt. Die Frage nach dem schönsten Teil des Wissens erfordert eine bestimmte Beziehung, eine Gewichtung.
Der erste Teil des Wissens ist das, was man jetzt etwas weiß, was man vor dem Beginn des Strebens nach Wissen nicht wusste. Der Guru segnet seinen Schüler in Form des Wissens, damit er schrittweise befreit wird. Anfangs wusste man nichts, doch wenn man mit Wissen gesegnet wird, dann kennt man es. Darum ist Wissen der letztendliche Teil des Wissens, was den Einzelnen in die Lage versetzt etwas zu kennen, was man solange nicht wusste, bis man es erfuhr. Darum ist Wissen das eigentliche Wesen des Ganzen.
Doch worin liegt der Unterschied zwischen demjenigen, der nichts weiß, und demjenigen, der etwas weiß? Gibt es zwischen beiden überhaupt einen Unterschied? Das ist der nächste Teil des Wissens, d.h. wenn die Kenntnis des Wissens zu Veränderungen im Menschen führt. Diese gesegnete Persönlichkeit wird aufgeweckter, hat mehr Verständnis, wird toleranter und sympathischer. Sie handelt mit einem größeren Geist für das Geben und Nehmen. Wissen kann all diese Dinge hervorbringen, doch es bleibt noch ein großes Fragezeichen übrig. Dieses große Wissen kann diese Dinge nur hervorbringen, wenn dieser transformierende Effekt zugelassen wird. Der Mensch wird besser, wenn er sich zu ihren Fehlern bekannt hat, bevor er dieses Wissen erlangt. Nachdem er dieses Wissen erlangt hat, beginnt er diese Fehler zu meiden. Er verhält sich plötzlich anders, auf eine bessere und noblere Weise.
Darum bedeutet diese Erkenntnis etwas zu wissen. Wenn dieses persönliche Wissen und die daraus resultierende Einsicht eine Veränderung zum Besseren bewirkt, wird es zum persönlichen Sein, Bewusstsein, einem Teil der Persönlichkeit. Das Wissen wird zuerst zu dem Wissen, das zuvor nicht bekannt war. Doch wenn man auf diesem neuen Level zufriedener ist, keine weitere Veränderung bewirkt, dann ist nur ein Teilwissen gegenwärtig, aber kein wirklich besserer Teil des Wissens. Der zweite Teil des Wissens unterscheidet sich auf Grund des neuen Teils des Wissens in positiver und kreativer Weise von dem ersten. Der zweite Teil des Wissens betrifft das eigene Sein, d.h. das erworbene Wissen geht in die Persönlichkeit über und wird Teil von ihr.
Es gibt aber noch bessere Teile des Wissens. Die Veränderung muss zur gesellschaftlichen Stütze beitragen, muss einen Wert darstellen, sodass es zum Wohlergehen der Mitmenschen beiträgt. Jetzt muss man den nächsten, den dritten Teil des Wissens betrachten. Nachdem man zu einem Wissenden wurde, sich persönlich verändert hat, kommt der soziale Aspekt ins Spiel. Ein wichtiger Punkt in der menschlichen Beziehung, der nicht nur für die eigene Kultur, die persönliche Entwicklung, den ethischen und spirituellen Fortschritt wertvoll ist, sondern auch wertvoll hinsichtlich des Wohlergehens und des Glücks anderer.
Vielleicht ist das der beste Teil des Wissens. Der aktiver Teil, der das Wissen in Aktivitäten umsetzt, in ein kreatives Muster menschlicher Beziehungen, sodass der Umgang mit anderen zur Quelle für das Wohlergehen anderer wird. Jede Handlung ist wie ein Saatkorn, der zum Wohlergehen anderer beiträgt, ihnen etwas Gutes, Hilfreiches in ihr Leben bringt, für das sie dankbar sein können. Dieses ist der dritte, der wohl wichtigste Teil des Wissens.
Zu wissen ist gut, ein wundervoller Teil des Wissens. Das Wissen zu verkörpern ist besser. Das ist wirklich ein sehr ehrenwerter Teil des Wissens. Doch ein Handelnder auf Grund des Wissens zu sein, ist das Beste daran, denn es berührt in positiver, kreativer und wohltätiger Weise das Leben aller anderen, die man berührt, wenn man durch die Welt zieht und sein Leben lebt. Es wird zum Segen im Zusammenleben mit allen anderen, der gesamten Schöpfung. Darum ist der beste Teil des Wissens, in die Praxis umgesetztes Wissen. Die transformierende Wirkung des Wissens bzgl. des eigenen Selbst ist die Quelle des Glücks, des Guten und wichtig für das Wohlergehen anderer.
(Auszug aus dem Buch: „Seek the Beyond“ in englischer Sprache von Swami Chidananda, erhältlich bei der DivineLife Society, Rishikesh)