Begegnung mit einem Meister
von Mila Vodvorka (Venezuela)
bearbeitet von Divya Jyoti
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Ich bin kein guter Autor und kann mich auch nicht so geschickt ausdrücken, dennoch möchte ich meine Gefühle und Erfahrungen über einen dreijährigen Aufenthalt im Sivananda-Ashram in Rishikesh Anfang der siebziger Jahre zu Papier bringen.
Es war für mein Leben außerordentlich wichtig, einen Meister zu finden, mit ihm für einige Zeit zu leben und seine Lehren aufzusaugen. Es ist jedoch nur schwer zu akzeptieren, dass man ihn auch eines Tages wieder verlassen muss, um sein Leben draußen in der Welt wieder in die Hand zu nehmen. Doch wann ist der richtige Zeitpunkt für diesen Absprung?
Ein Leben im Sivananda Ashram bei einem erleuchteten Meister wie Swami Krishnananda ist wie ein Leben im Himmel. Wer will schon den Himmel verlassen? Doch eines Tages es ist notwendig. Selbst wenn man zu Anfang über die Anweisung des Meisters unglücklich ist, wenig gewillt ist ihr zu folgen und zunächst auch nicht die Notwendigkeit einsieht.
Nach drei Jahren im Sivananda Ashram wollte ich nicht in die so genannte Zivilisation des Westens zurückkehren, denn zu diesem Zeitpunkt lag in meinem Verständnis die wahre Zivilisation im Ashram selbst. Die Art und Weise zu leben, den Lehren und Instruktionen von Swamiji zu lauschen war eine Erfahrung, die unbeschreiblich ist, und die man nur persönlich machen kann. Es war so etwas Neues, so Wunderschönes für mich, als ich begann, ein wenig von Swamiji Gesprächen zu verstehen. Ich glaubte meinen Ohren nicht trauen zu können, denn ich hatte niemals zuvor so tief Fundiertes gehört. Es klang einfach logisch, wissenschaftlich, und zugleich war es doch so einfach, witzig, kaum fassbar und wiederum so vertraut. Ich dachte ich sei in einem Traumland. Es war so wunderschön, wie in einem langen Traum. Ich hatte die Absicht, Swamijis Füße zu berühren und meine Finge so hart auf sie zu pressen, damit ich seine Knochen spüren könnte, doch er ließ niemand seine Füße berühren und ich bekam auch niemals die Gelegenheit dazu. Außer an meinem letzten Tag im Ashram ließ er mich gewähren, doch in dem Augenblick war ich emotional derart überladen, dass ich vergaß, meine Finger auf seine Füße zu pressen. Ich habe in den Jahren danach irgendwie vergessen, ob mein Aufenthalt im Ashram nur ein Traum oder Wirklichkeit war.
Die wundervollen Lehren verdaute und verinnerlichte ich erst, als ich den Ashram längst wieder verlassen hatte und weit von Indien und Swamiji entfernt war. Jetzt erst verstand ich, dass es für mich so wichtig war, meinen Meister zu verlassen, ansonsten würde ich noch immer wie in einem Traum leben. Ich würde immer nur essen, doch niemals die aufgenommene Nahrung verdauen können.
Nach drei Jahren Aufenthalt durfte ich dem Ashram einen kleinen Gefallen tun, indem Swami Hridayananda Mataji auf ihrer Welttour begleitete, wo ich das Erlernte in der Praxis anwenden konnte, und wo ich zu dienen lernte, was ich niemals zuvor getan hatte. Da lernte ich die Lehren meines Meisters zu schätzen, ohne den ich diese Aufgabe niemals hätte bewältigen können.
Manchmal ärgerte ich mich über Swami Krishnananda. – Ich schäme ich ein bisschen dies zu schreiben. – Ich glaubte, einige seiner Lehren wären nicht erforderlich. Dafür war es nicht notwendig unbedingt gewesen, nach Indien zu gehen. Das hätte ich mir selbst zu Hause in Venezuela anlesen können. Es waren Lehren, die das Dasein nur noch komplizierter machten. Swamiji hat mich immer wieder aufgefordert, mich selbst zu vergessen, nicht zu fragen. Ich solle immer auf das Schlimmste vorbereitet sein. Nimm immer, wenn du die Wahl hast, den letzten Platz ein. Gib immer dein Bestes, denn du gibst Gott etwas, nicht dem Menschen vor dir. Als meine Saris langsam verschlissen und altersschwach wurden, kaufte ich mir neue und wollte die alten an Arme verschenken. Doch da erinnerte ich mich der Worte Swamijis: man muss immer das Beste geben und das Schlechte für sich behalten. Darum behielt ich zunächst noch die alten Saris und konnte auch nicht die neuen weggeben. Ich ging zu Swamiji und beschrieb ihm wie kompliziert mein Leben geworden sei, und dass ich für derartige Lehren auch zu Hause in Venezuela hätte bleiben können. Doch Swamiji lächelte und fragte mich, ob ich fürchtete mein kleines Ego einzubüßen und dafür ein großes zu gewinnen. Natürlich wollte ich mein Ego verlieren; und darum ging ich mit seiner Antwort wieder glücklich auf mein Zimmer.
Doch wie hätte ich ohne Swamijis wundervolle Lehren mein Leben im Ashram und später wieder zu Hause hätte meistern können. Das Wesentliche, was ich von seinen Lehren verstanden habe, kann ich wie folgt zusammenfassen: Es ist unmöglich den Menschen zu dienen, wenn man sich selbst nicht dabei vergisst. Es ist so wundervoll, um nichts zu bitten. Warum sollte man je um etwas bitten? Wer sein Sadhana aufrichtig und gewissenhaft ausübt, für den kommt alles, was er braucht, von selbst. Es gibt keinen Grund um etwas zu bitten, denn alles wird ungefragt, in der richtigen und angemessenen Form, auf den Menschen zukommen. Auf diese Weise wird das Leben zu einem Wunder. Swamiji sagte immer wieder zu mir: „Das Leben ist ein Wunder, du bist ein Wunder und Gott ist ein noch größeres Wunder.“ Doch das größere Wunder war mein Aufenthalt im Ashram zu seinen Füßen. Der dreijährige Aufenthalt im Ashram hat mein Leben völlig verändert. Ich kann ihn nur immer wieder dafür segnen. Ich danke dem Herren, dass er mir diesen Aufenthalt im Ashram ermöglicht hat: ER gab mir die Gelegenheit, Swamiji und anderen Menschen dort zu begegnen. Ich bin mir sicher, dass alle, die Swamiji kennen, mir zustimmen werden. Es gibt einen Punkt, wo die Person, der Mensch, aufhört zu existieren, und etwas Anderes tritt zum Vorschein. Letztendlich existiert nur noch Gott allein und nicht mehr der Mensch.
Om Tat Sat