Ein denkwürdiger Besuch im Vasishtha Cave -
'... Flasche leer'

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Als ich vor vielen Jahren einmal den Sivananda-Ashram besuchte, sollte ich unbedingt Vasishtha Cave besuchen. Dieses hatten mir Freunde geraten, noch bevor ich meine Indienreise antrat. In diesem Cave (Höhle) soll vor dreitausend Jahren ein Heiliger mit Namen Vasishtha gelebt haben. Die Gespräche / Erzählungen des Heiligen mit seinen Schülern wurden von Generation zu Generation weitergeben und schließlich in Sanskrit im Versmass aufgeschrieben. Es gibt von Swami Venkatesananda eine englische Übersetzung und Interpretation zu diesem Text, das als so genanntes Lesebuch zur täglichen Lesung in zwei Bänden Anfang 1980 im Sivananda Ashram unter dem Titel "The Supreme Yoga" veröffentlicht wurde. Die Texte werden sicherlich irgendwann auch ins Deutsche übertragen. Doch zurück zu unserer Geschichte.

Vasishtha Cave ist sehr gut mit dem Taxi, in ca. einer halben Stunde vom Sivananda Ashram aus zu erreichen. Es gibt dort ein Enklave des Sivananda Ashrams, einen Tempel, wo auch einige Swami leben, und eben diese Höhle des Heiligen, die sich direkt in den Felsen am Ganges befindet. Ich nahm mir also ein Taxi und bat einen lieben Swami aus dem Ashram, mich dorthin zu begleiten.

Als wir dort ankamen, fragten wir zunächst, ob wir in die Höhle hineingehen und sie besichtigen dürften. Die Antwort ließ mich ein wenig erschrecken. Man deutete uns an, es gäbe dort im Augenblick weder Schlangen noch Skorpione. Man hätte alles im Griff. Niemand wäre in der Höhle, wir könnten hineingehen und dort für eine halbe Stunde meditieren. Worauf hatte ich mich eingelassen? Schlangen, Skorpione.

Mit einem mulmigen Gefühl ging ich mit Swamiji zum Höhleneingang. Ich musste mich bücken, denn der Höhlengang war nicht hoch genug, um die 1,80 m eines kleinen Mitteleuropäers in voller Körperhöhe aufzunehmen. Der Höhlengang war dunkel und verlief in einer Biegung, sodass das Tageslicht nach bereits fünf Metern nicht mehr wahrnehmbar war. Doch ich war gut vorbereitet. Ich zückte eine kleine Taschenlampe und in dessen fahlem Schein konnte wir gefahrlos voranschreiten, bis wir in einen kleinen Dom gelangten. In einer kleinen Felsnische befand sich ein kleiner Altar mit Früchten und einer Öllampe, die einen fahlen Schein von sich gab, aber den Raum kaum erhellte. Rundherum befanden sich, wie auf einer kleinen Anrichte, Sitzgelegenheiten, die zum Verweilen einluden.

Wir nahmen einen Yoga-Sitz ein, ich machte die kleine Taschenlampe aus, es war still und, bis auf einen schwachen Schein der Öllampe, dunkel. Swamiji sagte noch: "Lass uns eine halbe Stunde meditieren." Es herrschte tiefe Stille. Ich schloss die Augen und meditierte, wie man mir geraten hatte, auf 'OM', indem ich es in Gedanken wiederholte und keinen anderen Gedanken zuließ, was mir auch nicht schwer fiel. Nach einer Weile vernahm ich ein tiefes Grollen in mir, als wären wir auf einem Flussschiff, nahe eines Wasserfalls. Hm, komisch!? dachte ich noch, als ich über mir ein Licht wahrnahm und sich mit einem lauten Knall, wie bei einem Sektkorken, der an die Decke schießt, mein zuvor grollender Körperinhalt sich seines Körpers entledigte und wie eine Energiewolke zum Licht hinstrebte. Ich war machtlos. Wer bin ich? Wo bin ich? Bin ich im Raum, der Raum selbst oder bin ich überhaupt noch "Ich"? - Doch keine Antwort! War ich jetzt tot, weil ich meinen Körper verlassen hatte? Ich sah meinen Körper und die Höhle unter mir aus einem Raum bzw. aus einer Ebene darüber in einem merkwürdigen unbeschreiblich hellen Schein, - oder waren alles nur Bestandteile eines riesigen Raumes? Was geschieht mit mir? fragte ich mich immer wieder. Ich schwebte irgendwie im bzw. durch einen rieseigen unendlich Raum. Nach einer Weile kehrte "ich?" ohne mein Zutun in die körperliche Flasche zurück. Ich war willenlos, hilflos. War oder bin ich nur ein Werkzeug? - Ich akzeptiere. Wahrnehmen, Denken konnte ich in diesem Zustand irgendwie noch. - Ende der Meditation.

Wortlos und voller Glückseligkeit, woher auch immer sie gekommen sein mag, erhob ich mich. Zuerst gehorchten mir nicht einmal mehr die Beine. Doch dann war ich wieder im Vollbesitz meiner Körperkräfte und wir gingen hinaus. Später erfuhr ich, dass es längst Zeit gewesen war, zu meinem seelischen Zuhause zurückzukehren, was danach sehr häufig geschah, d.h. immer wenn es notwendig war: im Flugzeug, auf dem Bahnhof, im Zug nach Baltimore usw. Es ist die Gnade des Herrn.

Möge Gott alle Leser schützen!