60. Wenn Gott Dich wünscht

 

Besucher: Kannst Du etwas über die Liebe zu Gott sagen?

 

Swamiji: Es ist wahr, daß man Gott lieben muß. Das ist wundervoll, natürlich, doch es ist nicht genug, Gott zu lieben, es ist auch notwendig, daß Gott Dich liebt. Man möchte zu IHM; das ist klar. Doch ER sollte auch Dich wollen; und wenn ER Dich will, dann geschieht ein Wunder. Wenn man IHN will, wird dies Sadhana, Satsanga, Gebet, Meditation, Askese, Religion, Yoga usw. genannt. Doch, angenommen, ER will Dich, als was würdest Du das bezeichnen? Man kann es nicht Religion, Meditation usw. nennen, denn Gott praktiziert keine Religion, Meditation usw., wenn ER Dich will. Als was würdest Du es bezeichnen, wenn ER Dich will? Es ist unmöglich, dies zu beschreiben.

 

Besucher: Verwirklichung, Freiheit.

 

Swamiji: Wir können es uns nicht vorstellen, wie es sein würde, von Gott gewollt zu werden. Die ganze Welt würde beginnen, sich auf Dich zu konzentrieren. Jedes Blatt auf dem Baum will Dich; jeder Baum verbeugt sich vor Dir. Die Sterne am Himmel werden Dir zulächeln; die Galaxien werden Deiner huldigen. All das findet man in den Schriften. Man findet dort alle diese wundervollen Dinge. Im Augenblick macht es überhaupt keinen Sinn; doch das wird sich ändern. Man sagt, daß die Sterne unter Deinen Füßen rollen. Du wirst nicht verstehen, was das alles zu bedeuten hat. Die Sterne sind so hoch, doch danach wirst Du feststellen, daß sie sich unter Deinen Füßen befinden. Zu diesem Zeitpunkt wirst Du so riesig groß sein.

 

Es ist gut darauf zu warten. Wenn unser Herz schmilzt, wird dies stattfinden, doch es ist noch nicht geschmolzen; es ist noch ein wenig hartnäckig und bewahrt seine Unabhängigkeit. Es sagt: „Ich bin auch etwas.“ Gott will davon, daß man auch etwas ist, nichts hören, denn es gibt außer IHM Selbst kein „Ich“. ER kann kein anderes „Ich“ tolerieren; wenn Du in seiner Gegenwart „Ich“ sagst, ist das nicht fair. Wenn dieses persönliche „Ich“ verschwindet, wird jenes göttliche „Ich“ von all diesen „Ich’s“ Besitz ergreifen.

 

Swami Shivananda wußte dazu ein kleines Gedicht: „Wann werde ich frei sein? Wenn ich zu sein aufhöre.“ So sei glücklich. Gute Zugreise.

 

Besucher. Vielen Dank.

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61. Stufen des Karmas

 

Besucher: Haben wir bezüglich des karmischen Gesetzes im Leben eine Wahl oder ist uns alles vorbestimmt?

 

Swamiji: Wir haben eine Wahl, oder?

 

Besucher: Oder ist uns unser Leben vorbestimmt - was bedeuten würde, daß wir keine Wahl hätten; doch was mit uns geschieht ist die Konsequenz aus unserer Vergangenheit; oder haben wir eine Wahl?

 

Swamiji: Was auch immer man in der Vergangenheit getan hat, hat zwei Aspekte: einerseits hat man etwas Gutes, Wohltätiges, Nobles und Gütiges oder andererseits etwas Schädliches, Schmerzhaftes, Leidvolles usw. getan. Niemand vollbringt nur eine Art und Weise der Handlungen. Manchmal sind wir sehr gütige, wohltätige, freundliche und ehrenwerte Menschen; manchmal sind wir mürrisch, selbstsüchtig usw.. Die beiden Aspekten des Karmas erzeugen zwei verschiedene Reaktionsarten. Die negative Art unser Handlungsweise, selbst die negativen Gedanken, bringen uns in eine Richtung, über die wir keine Kontrolle haben. Das ist das, was man als den bestimmenden Faktor bezeichnet. Doch die guten Handlungsweisen - gute, ehrenwerte und erfreuliche Taten - werden den Verstand erstrahlen lassen und mit einem Bewußtsein persönlicher Leistungsfähigkeit für die richtige Richtung versorgen. Aus diesem Grunde fühlt man sich manchmal hilflos und manchmal in der Lage, etwas tun zu können.

 

Wenn man also das Gefühl hat, hilflos zu sein, und nichts unter seiner Kontrolle zu haben, daß sich alles jenseits der eigenen Möglichkeiten befindet, dann arbeitet das negative Karma. Wenn man aber fühlt, daß es gar nicht so schlecht aussieht: „Ich kann etwas Gutes tun“, dann arbeitet das gute Karma. Auf diese Weise sind diese Aspekte wie die beiden Flügel des einen Vogels der eigenen ganzheitlichen Handlung.

 

Janie: Wenn man einmal die Unterscheidungsfähigkeit besitzt, nicht zu handeln, oder durch die eigenen Gedanken zu Handlungen getrieben zu werden, würdest Du sagen, daß dies das Ende des Karmas ist?

 

Swamiji: Beenden des Karmas?

 

Janie: Wenn jemand die Möglichkeit hat, aufgrund seiner Entscheidungsfähigkeit, die Handlung zu unterlassen?

 

Swamiji: Dies bedeutet nicht das Ende des Karmas, sondern es ist eine Stufe auf dem Wege, das Karma zu beenden. Wenn das Karma vollständig erfüllt worden ist, würde man nicht länger als ein menschliches Wesen existieren. Doch im Augenblick ist es ein gutes Zeichen dafür, daß Du Dich in die richtige Richtung bewegst.

 

Amir: Swamiji, was meinst Du damit, wenn Du sagst, daß man am Ende des Karmas nicht mehr als menschliches Wesen existieren würde?

 

Swamiji: Es ist das Karma, das Dir das Gefühl verleiht, daß Du als eine individuelle Persönlichkeit existierst. Wenn sich das Karma aufgelöst hat, wirst Du mit dem Kosmos verschmelzen und zur Universalen Existenz werden. Du wirst danach kein Herr Soundso mehr sein. Du wirst zum Universalen Sein. Du wirst mit Gott vereint sein. Es ist so, als käme man aus dem Gefängnis und wäre vollkommen frei.

 

Amir: Doch ist das irgendein Unterschied im Vergleich zu meiner jetzigen Situation?

 

Swamiji: Situation?

 

Amir: Unterscheidet es sich irgendwie von der Situation, in der ich mich jetzt befinde?

 

Swamiji: Du wirst überhaupt nicht mehr da sein. Ich sagte Dir bereits, daß Du wie ein Fluß im Ozean sein wirst. Existiert der Fluß im Ozean oder existiert er nicht? Was meinst Du dazu?

 

Amir: Er existiert nicht.

 

Swamiji: Doch, er existiert; er hat nicht aufgehört zu existieren. Genauso wirst Du existieren, und dennoch nicht existieren. Du wirst als eine größere Sache im Vergleich zu jener kleinen Sache existieren, die Du früher gewesen bist. Deine Ausdehnung wird sich in die kosmischen Perspektiven hinein erweitern.

 

Amir: Die Situation, über die Du gesprochen hast, befindet sich nach meinen Erfahrungen die ganze Zeit unmittelbar vor meiner Nase.

 

Swamiji: Unmittelbar vor Dir?

 

Amir: Sie befindet sich genau dort, wo ich bin.

 

Swamiji: Ja, man kann es so sagen.

 

Amir: Und alles, was zu tun bleibt, ist, die Natur der Wirklichkeit so zu erkennen und zu akzeptieren, wie sie im Augenblick ist. Es gibt weder ein irgendwohin gehen, noch gibt es die Notwendigkeit, irgend etwas Neues zu erfahren.

 

Swamiji: Es verhält sich genau so, doch zur selben Zeit besitzt Du ein Bewußtsein, unabhängig und außerhalb davon zu existieren.

 

Amir: Das glaube ich nicht.

 

Swamiji: Wenn es nicht dort wäre, würdest Du jetzt nicht zu mir sprechen. Wenn das Bewußtsein der Persönlichkeit nicht vorhanden wäre, würdest Du nicht zu mir sprechen, sondern es wäre wie mit dem Himmel, - der Himmel spricht nicht zu mir. Man weiß dann selbst nicht einmal mehr, daß man existiert, genauso wenig wie der Fluß weiß, daß er existiert, wenn er zum Ozean geworden ist, obgleich er wiederum weiß, daß er in einem anderen Sinne existiert. Ansonsten würde man in seiner Dualität bis in alle Ewigkeit verbleiben. Du würdest für alle Zeit Herr Soundso sein, der auf so etwas wie ein außenstehendes Universum schaut. Das ist nicht das Ziel des Lebens. Du wirst mich mit Deinem Bewußtsein vereint sehen, so daß Du danach nicht mehr zu mir sprechen mußt. Dies ist im Augenblick etwas schwierig zu verstehen.

 

Michael: Swamiji, meinst Du damit das Ende aller Wiedergeburten?

 

Swamiji: Wiedergeburt?

 

Michael: Ja. Oder wie in Deinem Buch, wo du über den Guru schreibst, der keine Person, sondern etwas darüber hinausgehendes ist.

 

Swamiji: Der Guru ist eine sehr große Ausdehnung des Bewußtseins, das, wie bei einer hohen Stromspannung, die durch einen Kupferdraht fließt, in einer Person zu wohnen scheint. Der Kupferdraht ist das einzig sichtbare vor Deinen Augen, doch ist er mit etwas aufgeladen, das weit jenseits der Begrenzung des Kupferdrahtes liegt. Einige sechstausend, zehntausend Volt mögen dort hindurchfließen. Auf diese Weise fließen zehntausend Volt des Bewußtseins durch die göttliche Persönlichkeit, obgleich die Stromspannung nicht gesehen werden kann; man sieht nur die Kupferleitung. Solche Menschen nennen wir Übermenschen. Und was hattest Du gefragt?

 

Michael: Im Guru existiert offenbar noch eine Person.

 

Swamiji: Ja, ja, sicherlich!

 

Michael: Doch wurde das Karma in seinem Falle getilgt?

 

Swamiji: Sein Karma wurde nicht vollständig getilgt, jedoch es ist nur sehr bruchstückhaft und hell erleuchtet vorhanden und nicht so, wie das gebundene Karma bei anderen Menschen. Ja, sein Karma ist wie ein Spiegel, im Gegensatz zum Karma anderer Menschen, das wie ein Backstein ist. [Gelächter]

 

Janie: Swamiji, heißt das, daß zum Verbleib im menschlichen Körper ein geringer Rest an Karma andauert, oder daß ein geringer Karmateil vorhanden ist?

 

Swamiji: Es verbleibt ein kleiner Rest an Karma, der jedoch keine große Bindung darstellt, da es leuchtet wie ein Spiegel. Man kann darin die ganze Wahrheit sich reflektieren sehen, was im Falle einer Steinwand nicht möglich ist, dies ist der große Unterschied zwischen einem Übermenschen und einem normalen Menschen. Diese sogenannten Übermenschen sind Inkarnationen.

 

Richard: Swamiji, wie kann sich der Ozean (der Ewigkeit) seiner eigenen Existenz bewußt sein?

 

Swamiji: Es ist richtig, daß sich der Ozean seiner Existenz bewußt ist. Man nennt ihn Gott. Der Name Gottes steht für das Universale „Meer“ des Bewußtseins Selbst, doch handelt es sich dabei nicht um ein Gewässer, sondern um ein „Meer“ des Bewußtseins.

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62. Das Ziel der Erziehung

 

Ein Spanischer Besucher: Swamiji, welches Ziel hat letztendlich die Erziehung?

 

Swamiji: Es ist ein Prozeß, um jene Vollkommenheit, die bereits in ihm steckt, aus dem menschlichen Individuum herauszuholen. Du sagtest: „Ich bin ein vollkommenes Ganzes“, denn Du hast ein Bewußtsein des vollkommenen Ganzen. Dieses vollkommene Bewußtsein hat verschiedene Stufen. Es ist nicht leicht zu verstehen, was dieses vollkommene Bewußtsein ist. Du fühlst Dich mit Körper und Geist als ein vollkommenes Individuum, nicht wahr?

 

Angenommen, Du hast eine Familie; Du hast Frau, Kinder usw. Diese vollkommene Familie besteht aus zehn Familienmitgliedern, und obwohl es sich um sehr viele Familienmitglieder handelt, ist es doch eine vollkommene Einheit. Viele Mitglieder sind in der Harmonie einer Organisation namens „Familie“ im integrierten Bewußtsein enthalten.

 

Die Familie bildet eine individuelle Einheit. Dies ist der Grund, warum Harmonie zwischen den Mitgliedern herrscht; ein Familienmitglied wird nicht gegen den Wunsch eines anderen Mitgliedes handeln, genauso wenig wie ein Körperteil gegen das Wohlergehen eines anderen handelt. Eine Familie ist eine einzige vollkommene Einheit. Sie bildet eine soziale und nicht bloß eine biologische Einheit. Das gibt Dir das Gefühl von „meiner Familie“, denn Du identifizierst Dich mit Deiner Familie, als wäre sie untrennbar von Dir. Auf diese Weise hat sich nun das vollkommene Bewußtsein vom Status  einer rein biologischen Individualität zu einem familiären Bewußtsein ausgedehnt.

 

Du kommst aus Spanien. Die Spanische Nation ist auch ein vollkommenes Ganzes. Verstehst Du mich?

 

Spanischer Besucher: Ja, Swamiji.

 

Swamiji: Das Nationalbewußtsein bezüglich Deines Landes erhebt sich aus einem Vollkommenheitsgefühl heraus; doch gleichzeitig bist Du auch ein internationaler Bürger, weshalb die internationale Einheit ebenfalls ein vollkommenes Ganzes ist. Wenn man von sich sagt, daß man zur Menschheit gehört, entsteht eine andere Art von Zugehörigkeitsbewußtsein. Die Erde ist ein Planet des Sonnensystems, zu dem man gehört, und dieses Bewußtsein  ist auch wiederum ein vollkommenes Bewußtsein. „Oh, ich gehöre zu dem Sonnensystem!“, allein bei diesem Gedanken wird Dein Verstand anwachsen und ein Glücksgefühl erzeugen, weil man zu einer Familie so vieler Planeten gehört, wobei die Sonne gleichzeitig Vater und Oberhaupt der Familie ist. Dies ist auch eine vollkommene Einheit. Es gibt viele Sonnensysteme im Universum, - nicht nur eines, - und diese Systeme sind in eine noch größere endlose Einheit integriert.

 

Was versteht man  wirklich unter dem vollkommenen Bewußtsein? Es gibt verschiedene Stufen, wobei man bei einer niedrigen Stufe anfängt und höher und immer höher hinaufsteigt, bis man sich selbst mit der ganzen Raumzeit-Einheit identifiziert. Man gehört zum Universum. Das Bewußtsein des Universums ist das letztendliche vollkommene Bewußtsein.

 

Wenn man diese Stufen schrittweise, dem Verstand der Schüler näherbringt, dann erhalten sie die richtige Erziehung; ansonsten würde man sie lediglich in Mathematik, Physik, Soziologie und Geographie unterrichten. Diese Dinge haben sie bereits alle gelernt, doch sie wissen nichts über die Beziehung eines Menschen zu einem anderen Menschen, weshalb auch soziale Konflikte entstehen. Kriege finden statt, weil der eine den anderen nicht leiden kann.

 

In diesem vollkommenen Bewußtsein, das ich in verschiedenen Stufen erläutert habe, kann keine Art von Konflikt entstehen, denn überall herrscht Vollkommenheit, wie sollten also Konflikte entstehen? Wenn man sich dessen ständig bewußt ist, kann es überhaupt keine Konflikte geben. Entweder befindet man sich in der einen oder in einer anderen Bewußtseinsebene; - in welcher Bewußtseinsebene man sich auch immer befindet, sie bleibt immer vollkommen. In der Vollkommenheit gibt es kein gegeneinander, genauso wenig wie der Körper mit sich selbst kämpft, - die Lunge kämpft nicht mit der Nase und die Nase nicht mit den Augen. Genauso verhält es sich mit dem Bewußtsein der Vollkommenheit, in das man die Menschen einführen muß. In dieser Art und Weise der Lehre liegt die Kunst des Unterrichtens, die man schließlich als das letztendliche Ziel der Erziehung betrachten mag.

 

Man kann Mathematik oder Physik unterrichten; das ist völlig in Ordnung, doch das Ziel liegt ganz woanders. Es geht nicht darum, nur einen Job als Physikprofessor zu bekommen; - was geschieht, nachdem man Physik studiert hat und Physikprofessor geworden ist? Man bekommt seinen Gehalt und hat ein angenehmes Leben. Dies ist keine Erziehung.

 

Erziehung hat nichts mit einem Job und einem guten Leben zu tun. Dies ist nur eine Nebensache, denn das Ziel liegt in der Vollkommenheit. Was Vollkommenheit bedeutet, habe ich an Hand von verschiedenen Stufen erläutert. In jeder Ebene und auf jeder Stufe ist man im Zustand der Vollkommenheit. Wenn man dies mit Hilfe geeigneter Lehrpläne in den Verstand der Schüler hineinbringen kann, handelt es sich um eine vollkommene Erziehung.

 

Ich kann Dir nicht all zuviel darüber sagen, doch habe ich etwas erzählt, was sehr wichtig ist.

 

Spanischer Besucher: Sollte das ganze Wissen in einem Wissen vereint sein?

 

Swamiji: Alle Künste und Wissenschaften sind Zweige eines einzigen Wissens. Sie gehören natürlich zusammen. Du bist der Sohn eines Vaters und gleichzeitig Vater mehrerer Kinder; Du bist Chef mehrerer Untergebener und gleichzeitig Untergebener mehrerer Chefs; Du bist der Ehemann einer Ehefrau und gleichzeitig Bruder einer anderen Person. Glaubst Du, daß all diese Aspekte in einer Person vereint werden können, oder unterscheiden sich diese Aspekte zu sehr voneinander?

 

Diese soeben von mir erwähnten unvereinbaren Dinge sind alle in einer Person vereinbar. Man kann Vater und Sohn zu selben Zeit sein. Steht das nicht im Widerspruch zueinander, daß man Vater und Sohn zur selben Zeit ist? Man kann Ehemann und Bruder zur selben Zeit sein. Wie ist das möglich? Es sind doch zwei unterschiedliche Dinge. Wenn all diese sogenannten sich selbst widersprechenden Aspekte in einer einzigen vollkommenen Person vereint sein können, können auch alle Wissenschaften in einem Wissen vereint werden, - um die Frage nach dem Hintergrund der Erziehung zu beantworten, wäre dies ein anderer Weg der Wiederholung derselben Sache, die ich bereits heute morgen erzählt habe. In dem von mir beschriebenen Erziehungsprozeß bleibt nichts außen vor, denn in ihm sind alle Wissenschaften und Psychologien enthalten. Das Wissen über das „Wahre Selbst“ beinhaltet alle anderen Wissenschaften.

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63. Das Gleichgewicht der Natur

 

Spanischer Besucher: Es gibt so viel Leid und Kampf in der Welt; gerade jetzt im Augenblick findet ein Krieg aufgrund von Egoismus, Macht und Stolz statt....

 

Swamiji: Manchmal hat man Schnupfen, Bauchschmerzen und sogar Fieber; sind das gute oder schlechte Dinge? Diese Dinge kann man nicht als gut bezeichnen, doch warum geschehen sie, wenn sie nicht gut sind? Warum erbrechen die Leute manchmal? Warum geschieht das?

 

Diese Dinge geschehen aus demselben Grund wie auch jene Dinge geschehen, auf die Du Dich bezogen hast. Es handelt sich dabei um kosmische Verschiebungen aufgrund interner Anpassungen. All diese Dinge, wie Schnupfen, Bauchschmerzen, Fieber usw. sind erforderlich, damit der Körper sein Gleichgewicht  bewahrt. Um sein gesundheitliches Gleichgewicht zu bewahren, macht der Körper bestimmte eigentümliche und schmerzhafte Erfahrungen. Warum sollte man andererseits unnötigerweise erbrechen usw. Sie dienen keinem besonderen Zweck, außer, daß die Natur auf diese Weise ihr Gleichgewicht dadurch bewahrt, indem sie bestimmte extreme Dinge stattfinden läßt, die das Gleichgewicht erhalten.

 

Wenn man zuviel ißt, führt dies zu Blähungen und Winden, die sich lösen. Was da geschieht ist nicht schlecht, aber auch nicht besonders schön, und dennoch ist es notwendig, um das gesundheitliche Gleichgewicht des Körpers zu erhalten. In dem man zuviel gegessen hat, hat man dem Körper etwas Extremes angetan. Wenn man im Regen spazierengeht, - wobei es sich ebenfalls um eine extreme Angelegenheit für den Körper handelt -, bekommt man Schnupfen und Fieber. Auch schläft man nicht gut, wenn man tagelang mit der Eisenbahn unterwegs war usw..

 

Kleine Unstimmigkeiten können durch kleine Maßnahmen wieder korrigiert werden. Ernsthafte Unstimmigkeiten führen zu umfangreicheren Handlungen. Unter bestimmten Bedingungen können auch Zerstörungen, Überschwemmungen, Erdbeben, Kriege und eine Massenvernichtung der Menschheit stattfinden, so als ob das System von einer ernsthaften Krankheit heimgesucht wurde, und der Körper nur dadurch zu retten ist, daß Glieder geopfert werden. Dies ist nicht weiter tragisch, weil dadurch die Natur ihr Gleichgewicht bewahrt. Es ist zwar schmerzhaft, aber notwendig.

 

Man muß die Dinge aus den Augen der Natur betrachten und nicht, wie der Mensch sie sieht. Man darf ein amputiertes Glied, das geopfert wurde, nicht nur vom Standpunkt des Gliedes aus betrachten. Obwohl es eine unerfreuliche Angelegenheit ist, muß man sich, um die Notwendigkeit der Amputation zu erkennen, in die Lage des Gesamtorganismus hineinversetzen. Auf diese Art und Weise sind manchmal unerfreuliche Dinge erforderlich.

 

Wir haben nicht die kosmische Sichtweise und können auch nicht wie die Natur denken. Nur das umfassende Auge der Natur selbst kann die wirkliche Notwendigkeit innerhalb der eigenen Struktur erkennen, die uns als Menschen einschließt, denn wir sind auch ein Teil dieser Natur. Wenn die Natur etwas für ihr eigenes Gleichgewicht unternimmt, so tut sie es zu ihrer Selbst­erhaltung, was gleichbedeutend mit dem Wohlergehen des „Ganzen“ ist; doch da wir als isolierte Individuen nicht wie die Natur in ihrer Vollkommenheit denken können, empfinden wir das, was geschieht, als merkwürdig, denn es berührt uns sehr.

 

Die Natur unternimmt niemals etwas Schlechtes. Für die Natur gibt es kein „Schlechtes Verhalten“. Es sieht manchmal unfreundlich aus, da wir uns psy­chologisch gesehen außerhalb der Natur befinden. Wenn wir EINS mit der Natur sind, können wir feststellen, daß nichts Unrechtes geschieht. Wir betrachten die Natur jedoch von außen. Wir sind voreingenommen und können die Dinge aus diesem Grunde nicht richtig sehen.

 

Amerikanischer Besucher: Mit Beginn der Zeitrechnung sind uns Kriege, Hunger usw. bekannt, und die Natur bestimmt dabei die Richtung. Könntest Du erläutern, wie die Natur ihren Einfluß geltend macht?

 

Swamiji: Obwohl ich es bereits erklärt habe, stellst Du wieder die gleiche Frage. Welcher Punkt ist Dir noch nicht klar geworden? Wir sind ein Teil der Natur. Jeder von uns ist ein Teil der Natur. Wir alle sind Teile der Natur. Ist das für Dich verständlich? Jeder sollte sich im Einklang mit der Natur als „Ganzes“ und nicht in Disharmonie mit dem „Ganzen“ befinden; ansonsten wird das „Ganze“ etwas gegen diesen Teil unternehmen, und das ist es, was Du mit Deinen eigenen Augen siehst, und was ich im Einzelnen bereits geschildert habe.

 

Wir sind mit der Natur und gleichzeitig mit Gott Selbst in Disharmonie. Die Natur verabscheut unseren Anspruch auf Individualität. Kein Glied des Körpers kann sich völlig unabhängig und unharmonisch mit dem Organismus bewegen, sonst entstehen Schmerzen und viele Krankheiten sind die Folge. Diese Krankheiten werden durch die Handlungsweise der Natur wieder in Ordnung gebracht; diese Handlungsweise mag eine bittere Medizin oder ein chirurgischer Eingriff sein, was es dann auch tatsächlich ist, denn all diese Ereignisse, die Du siehst, finden wirklich statt. Es kann sich dabei um Gewitter, Überschwemmungen oder sonst irgend etwas handeln; die Natur macht, was auch immer ihr sinnvoll erscheint.

 

Wenn Du EINS mit dem vollkommenen „Ganzen“ bist, wirst Du Dich über nichts beklagen, was in Dir stattfindet, und auf die gleiche Weise wirst Du Dich auch über nichts beklagen, was sich in der Welt ereignet. Du wirst Dich auch nicht mehr über Dich selbst beklagen, denn Du kennst den Grund dafür. Du beklagst Dich nicht, weil Du einfach erkennst, daß es gerechtfertigt ist. Wenn Du EINS mit der Natur bist, mit Ihrem Verstand denken und mit den Augen der Natur sehen kannst,  wirst Du Dich über nichts mehr beklagen. Im Augenblick sind wir dazu nicht in der Lage, denn wir denken in egoistischer Weise und verstehen darum nicht, was geschieht. Das niedrigere „Ganze“ muß deshalb dem höheren „Ganzen“ geopfert werden.

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64. Drei Arten der Meditation

 

Spanischer Besucher: Wie kann ich die Meditation auf das „Kosmische Bewußtsein“ praktizieren.

 

Swamiji: Wessen bist Du Dir im Augenblick der Meditation bewußt? Dieses ist dann der Gegenstand Deiner Meditation. Du benutzt kein besonderes Ob­jekt, sondern Du bist Dir der Erde, des Himmels, der Raumzeit, der Sterne in der ganzen Atmosphäre bewußt. Kannst Du Deinen Verstand so weit aus­dehnen, daß Du Dir all dieser Dinge gleichzeitig, - nicht eins nach dem anderen, sondern gleichzeitig - bewußt bist? Kosmisches Bewußtsein beginnt mit der Konzentration auf alle Dinge gleichzeitig.

 

Ich komme wieder auf die Analogie der Körperglieder zurück. Du bist Dir der vielen Körperglieder gleichzeitig bewußt. Du denkst nicht heute so und morgen so: “Heute an eine Nase und morgen an ein Ohr“; nein, so denkst Du nicht, sondern Du bist Dir aller Körperglieder sofort bewußt. Das nennt man vollkommenes Bewußtsein. Wenn Du Dir auf ähnliche Weise aller denkbaren Dinge gleichzeitig bewußt sein kannst - der ganzen Welt, der Raumzeit und der Objekte, - wenn Du diese Übung durchführen kannst, wäre es für Dich eine Bemühung hin zum transzendentalen Bewußtsein. Dies ist eine Form der Meditation. 

 

Ich sage damit nicht, daß jeder nur auf diese Art meditieren sollte. Dieses ist nur ein Weg. Doch anfangs wird diese Art der abstrakten Konzentration als schwierig empfunden. Darum wird allgemein die Konzentration auf eine Gott­heit empfohlen, und ich würde gern wissen, welche Gottheit Du vorziehst. Es hörte sich so an, als ob Du die Wiederholung des Mantras „OM namah Shivaya“ bevorzugst. Die Bedeutung dieses Mantras ist eine Verneigung vor der großen Gottheit Shiva. Kannst Du an Gott Shiva, seine Merkmale, seine Charakteristik, sein Wissen und seine Macht denken?

 

Spanischer Besucher: Ja, Swamiji.

 

Swamiji: Kannst Du Dich auf diese Gestalt konzentrieren?

 

Spanischer Besucher: Der Verstand wandert mal hierhin und mal dorthin. Ich kann mich nicht ständig darauf konzentrieren.

 

Swamiji: Der Verstand wandert deshalb hierhin und dorthin, weil er sich etwas anderes wünscht, als das, worüber Du meditieren möchtest. Er sagt sich, daß er etwas anderes tun möchte. Nun stelle Dir selbst die Frage und frage Deinen Verstand: „Warum wendest Du Dich woanders hin, wenn Du Dich letztendlich für eine Gottheit wie Shiva entschieden hast, von der Du alles bekommen kannst, was auch immer Du wünschst? Glaubst Du vielleicht, daß Shiva Dir nicht alles geben kann? Warum konzentrierst Du Dich auf Shiva, wenn Du bezweifelst, daß ER Dich mit allem segnen kann?“

 

Der Verstand spielt Dir einen doppelten Streich. Einerseits sagt er Dir, daß dies das Konzentrationsobjekt ist, und daß ich, wenn ich darauf meditiere, alles bekomme; doch das Unterbewußtsein sagt: „Nein, die Gottheit wird mir nicht alles geben; ich möchte lieber zum Marktplatz gehen.“ Auf diese Weise treibt der Verstand sein Spiel mit Dir, in dem er von zwei unterschiedlichen Dingen zur selben Zeit spricht. Warum solltest Du auf Shiva meditieren, wenn du Dir sicher bist, daß es nichts bringt? Doch Du fühlst, daß es sich eigentlich nicht so verhält: „Er wird mich sicherlich segnen." Du wirst vielleicht alles, was Du Dir wünschst, durch die Meditation auf diese Gottheit bekommen. Doch eine andere innere Stimme sagt Dir: „Nein, nein. Du solltest Dich nicht darauf konzentrieren. Geh’ lieber in ein Restaurant und iß etwas Delikates.“ Auf diese Weise wird die innere Stimme sich bei Dir bemerkbar machen.

 

Du mußt Dich wie ein Lehrer verhalten. Du bist doch Lehrer von Beruf und weißt, wie man Schüler behandeln muß, und der Verstand ist nichts anderes als ein Schüler; sag’ ihm: „Du bist ein dummes Etwas. Warum läufst Du hierhin und dorthin, wenn Du alles aus dem Supermarkt bekommen kannst und Shiva eine Art Supermarkt ist? Warum gehst Du zu einem Kramladen? Was macht das für einen Sinn?“

 

Sag’ Deinem Verstand immer wieder: „Du bist dumm! Warum wanderst Du hierhin und dorthin? Weißt Du denn nicht, daß Du alles, was Du möchtest, von IHM bekommen kannst? Und nicht nur das, Du kannst selbst alles bekommen, was sich jenseits Deiner Vorstellungen befindet. Ein Meer voller Segen erwartet Dich. Gehe nicht!“ Du kannst es ihm auch wörtlich sagen. Sag’ es Deinem Verstand nicht nur in Gedanken, sondern mit Worten. „Geh’ nirgendwo hin! Du bekommst alles hier!“ Sprichst Du nicht genauso mit Deinen Schülern in der Schule? „Dies ist gut für Dich. Ändere Dein Verhalten. Lerne!“

 

Sprich’ mit Deinem Verstand, wie der Vater zu seinem Kinde: Sei nicht dumm; geh’ nicht überall hin. Du verlierst nur Energie und verschwendest Deine Zeit. Du kannst alles, was Du wünschst, an einem Ort haben. Identifiziere Dich darum mit Dir selbst, meditiere auf IHN und Du wirst von IHM gesegnet werden.“ Wenn Du dabei an die Gottheit Shiva glaubst, ist es in Ordnung, dann fahre damit fort.

 

Du kannst jetzt diese oder auch eine höhere Methode, nämlich die Konzentration auf das Kosmische Bewußtsein, anwenden, die ich bereits erwähnt habe. Und in jenem kleinen Buch, das ich Dir heute morgen gegeben habe, werden weitere Methoden angesprochen: d.h. die Meditation auf etwas Äußerliches, Innerliches und Universales. Dies sind die drei Meditationsstufen.

 

Bei der Meditation auf die Gottheit Shiva handelt es sich um die Meditation auf etwas Äußerliches, - wobei die Gottheit vor Deinen Augen als ein kosmisches Äußerliches betrachtet wird. Dies ist eine Art der Meditation auf dem Weg zur Hingabe, Bhakti genannt.

 

Bei der Meditation auf etwas Innerliches, handelt es sich um eine rein psychische Kontemplation, wie beispielsweise bei der buddhistischen Methode. Die buddhistischen Meditationen sind rein psychologisch. Man konzentriert sich weder auf irgendeinen Gott oder Gottheit, noch auf etwas anderes. Vielleicht sind Dir irgendwelche Techniken aus dem Buddhismus bekannt; im Hinduismus gibt es ebenfalls solche Techniken. Die Beobachtung des Atems, des Verstandes, der Gedanken, und das Lenken der Gedanken in verschiedene Regionen des Körpers usw. sind Meditationen, die sich auf etwas Innerliches beziehen. Und die höchste Form der Meditation ist die Konzentration auf das Universale.

 

Du fängst mit der Meditation auf das Äußerliche an. Man muß nicht sofort auf etwas Innerliches meditieren. Die Meditation auf die Gottheit Shiva ist vollkommen in Ordnung. Fahre mit dieser Methode fort. Du steigst dann langsam immer höher hinauf.

 

Spanischer Besucher: Swamiji, ist die Beobachtung der Gedanken oder die Beobachtung der Gedanken, ohne sich damit zu identifizieren, eine andere Form der Meditation?

 

Swamiji: Das ist auch eine Methode. Du kannst jede Methode auswählen, die Du möchtest. Du kannst wahlweise alle drei Methoden gleichzeitig anwenden: Du kannst entweder zu Shiva beten, Deinen inneren Verstand analysieren oder kosmisch denken. Alle drei Methoden sind gut; wenn Du in der Lage bist, kannst Du sie alle drei miteinander kombinieren.

 

Wenn Du Deine Büroarbeit oder irgendeine andere Arbeit erledigst, sollte dies den ganzen Tag über den Hintergrund Deiner Gedanken bilden. Nur dann wird es zu Deinem Selbst werden. In Wirklichkeit gibt es keine andere Beschäftigung. Dies ist die Hauptbeschäftigung; alle anderen Beschäftigungen vereinigen sich mit dieser einen Hauptbeschäftigung. Alles, was Du mit irgendeiner anderen Arbeit, Beschäftigung usw. erreichen willst, wirst Du durch diese Hauptbeschäftigung  bekommen. Dies ist das Hauptobjekt und der eigentliche Sinn des Lebens. Die Vereinigung mit der Wirklichkeit ist das Hauptobjekt. Dies ist der eigentliche Sinn des Lebens. Da wir nicht dazu in der Lage sind, dies zu erreichen, suchen wir überall nach Arbeit usw.. Nach der Vereinigung mit der Wirklichkeit brauchen wir nicht mehr nach einer Arbeit zu suchen, denn wir werden von der Natur bekommen, was auch immer wir uns von ihr erhoffen. Doch anfangs sind wir dazu nicht in der Lage, darum müssen wir, zusammen mit unseren Meditationsbemühungen, dienen und ebenso arbeiten.

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65. Der erste und der wichtigste Gedanke

 

Ein Besucher: Der schwierigste Augenblick des ganzen Tages ist für mich mein Fühlen, meine Furcht oder was auch immer, wenn ich morgens aufwache. Dann stehe ich auf, beginne mit meinem Tagewerk und es verschwindet. Ich habe mit so vielen Leuten darüber gesprochen und gesehen, daß es überall das gleiche ist. Es wäre verwunderlich, wenn es mit dem Träumen oder mit den Vorgängen im Unterbewußtsein zu tun hätte. Ich weiß es nicht, doch ich erlebe es Tag für Tag, wenn ich erwache.......

 

Swamiji: Wenn Du morgens erwachst, was ist normalerweise Dein erster Gedanke? Woran denkst Du normalerweise zuerst, wenn Du aufwachst?

 

Besucher: Mein erster Gedanke? Das weiß ich nicht.

 

Swamiji: Du solltest genau darauf achten.

 

Besucher: Ja. Ich muß es beobachten.

 

Swamiji: Morgen früh achtest Du darauf - woran Du im Augenblick des Erwachens denkst?

 

Besucher: Ja.

 

Swamiji: Beide, der erste und der letzte Gedanke sind von Bedeutung. Und der letzte Gedanke ist in vielerlei Hinsicht, aus kaum vorstellbaren Gründen, von Bedeutung. Weißt Du, warum der letzte Gedanke von solcher Bedeutung ist?

 

Besucher: Warum ist das so?

 

Swamiji: Angenommen, Du gehst ins Bett und wachst am nächsten Morgen nicht wieder auf, Deine Zukunft wird aber durch den letzten Gedanken vom Vorabend bestimmt. Wenn Dein letzter Gedanke irgendein verworrener Gedanke war, wird Deine Zukunft dem entsprechend nicht sehr „rosig“ aussehen. Und wer soll dafür die Garantie übernehmen, daß Du wirklich am Morgen aufwachst? Gibt es dafür eine Garantie?

 

Besucher: Nein.

 

Swamiji: Wie kann dann jemand so tollkühn sein und sich nicht um seinen letzten Gedanken kümmern? Hier liegt die Bedeutung des letzten Gedankens, - etwas Unangenehmes mag in der nächsten Geburt die Folge sein.

 

Der, der zuletzt kommt, wird der erste im Himmel sein, und der, der zuerst kommt, mag der letzte sein. Auch wenn Dich niemand wünscht, dort wird jemand sein, der Dich wünscht. Wenn Dich alle hier wünschen, dann erhältst Du auch hier Deine Belohnung, doch erwarte dann keine weitere Belohnung. Wenn Dich jedoch alles verläßt, wird auch alles zu Dir kommen. Wenn Du alles erwartest, muß auch alles entfernt werden. Dies sind die mystischen Wahrheiten.

 

Wenn Du auf alles verzichtest, dann wird auch zu selben Zeit alles auf Dich zukommen. Wenn sich ein Vakuum auftut, dann wird die ganze Luft des Raumes in dieses Vakuum einströmen. „Mach Dich ganz leer und ich werde Dich erfüllen,“ sagte der große Meister. Doch, wenn Du von irgend etwas erfüllt bist, erhebt sich diese Frage nicht.

 

Es sind die „kleinen“ Menschen, die vorgeben, groß zu sein und deshalb auf ihren Rechten bestehen. Jedes zur Schau tragen einer persönlichen Bedeutsamkeit ist unnötig, wenn die Person wirklich bedeutend ist. Königliche Staffagen werden benutzt, um eine persönliche Größe zu demonstrieren. Du magst in den Augen der Leute arm erscheinen, dennoch kannst Du eine der größten Persönlichkeiten der Welt sein. 

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66. Sadhana kann überall stattfinden

 

Besucher: Swamiji, wie kann ich den besten Platz für mein Sadhana finden?

 

Swamiji: Ich kann überall sein. Ich kann unter einem Baum oder auch in einer Stadt sein. Ich würde nicht sagen, daß ich nur an diesem Ort sein könnte. Es macht für mich keinen Unterschied, ob es ein Marktplatz, Geschäft, Baum oder ein Tempel ist. Ich kann überall sein. Ich würde mich nicht über einen schlechten Platz oder so beklagen. Für mich gibt es keine schlechten Plätze. Ich brauche nur einen Platz zum Atmen und einen Ort, um ein wenig zu essen, und der ist überall in der Welt vorhanden.  Was macht das schon, in welchem Land ich mich befinde?

 

Dein Problem bezieht sich nicht auf das Land, sondern Dein Problem liegt in Deinem eigenen Verstand; und wo auch immer Du hingehst, selbst in den Himmel, Du gehst dort mit Deinem Verstand hin. Selbst die Hölle kann im Himmel sein, denn Du bringst sie mit dorthin. Dies ist eine Art von Zerstreuung des Verstandes. Der Verstand ist so trickreich, daß er Deinen Fortschritt gar nicht wünscht. Darum wählt er diese Gelegenheiten und Bedingungen aus; schließlich verrinnt das Leben mit solchen Gesprächen nur so dahin. In Wirklichkeit geschieht nichts. Du fährst Dein Leben lang fort, den richtigen Ort zu suchen. Es ist genauso, als würdest nur über den Teller nachdenken und darüber das Essen vergessen. Dies ist alles von sekundärer Bedeutung und hat nichts mit der Verbindung zur Spiritualität zu tun. Du könntest in irgendeinem Land an irgendeinem Ort sein. Worin liegt das Problem?

 

Die Menschen können Dir nicht helfen, das Land kann Dir nicht helfen. Du mußt Dir selbst mit Deiner höheren Vernunft helfen. Selbst im Himmel gibt es Unruhestifter oder glaubst Du, daß dort nur Milch und Honig fließen. Jeder denkt, daß es im Himmel keine Probleme gibt. Frag’ doch INDRA (Gott des Windes) und all die anderen Leute, ob es dort Probleme gibt oder nicht! INDRA wurde so viele Male hinausgeworfen. Wie kann INDRA dabei glücklich sein?

 

Swami Shivanandaji Maharaj hat uns gelehrt, daß man überall und unter allen Bedingungen glücklich sein kann, da Gott die ganze Welt erschaffen hat. ER hat kein Indien, Italien, Deutschland usw. erschaffen. So etwas gibt es nicht. Die Erde ist nur ein Staubklumpen, der überall gleich ist. Jeder Platz ist gleich gut, Du kannst Dich überall aufhalten. Warum erschaffst Du Dir unnötige Probleme? Wir selbst haben diese unterschiedlichen Länder, Sprachen usw. geschaffen. Wir leben auf einem Staubklumpen, der Erde genannt wird und kriechen auf ihr wie Insekten herum. Ich kann mich auf einem Bahnhof aufhalten und meditieren. Der Lärm des Zuges stört mich nicht. Ich kann nicht behaupten, daß es ein hoffnungsloser Platz wäre. Ich schließe mit der Eisenbahn Freundschaft. Was wäre daran so falsch? Die Eisenbahn ist auch mein Freund. Man muß für alles offen sein und seinen gesunden Menschenverstand bewahren; ansonsten altern wir über dieser Diskussion, die Zeit rinnt uns davon und es kommt nichts Wesentliches dabei heraus.

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67. Verzicht und Umwandlung

 

Ein Besucher: Welchen Stellenwert nimmt Verzicht in der Meditation, von der Du gesprochen hast, im spirituellen Leben ein?

 

Swamiji: Wie lautet Deine Frage?

 

Besucher: Welchen Stellenwert nimmt der Verzicht im Meditationsprozeß zur Verwirklichung des persönlichen wahren Selbst’ ein?

 

Swamiji: Kannst Du mir erklären, was Du mit Verzicht meinst? Was verstehst Du wirklich darunter?

 

Besucher: Ich meine damit, daß man mehr an der Verwirklichung des persönlichen Selbst, als an irgend etwas anderes im Leben interessiert ist.

 

Swamiji: Nein. Wenn Du daran interessiert bist, Dein Selbst zu verwirklichen, dann meinst Du damit, daß dies auch mit Verzicht verbunden ist, nicht wahr?

 

Besucher: Ich glaube, daß dies das Ergebnis eines größeren Interesses ist.

 

Swamiji: Auf was verzichtet man denn? Auf welche Dinge möchtest Du zu diesem Zweck verzichten?

 

Besucher: Möglicherweise auf die bisherige Lebensweisen, alte Denkmuster, auf die bisherigen Umgangsformen mit den Menschen, auf die althergebrachte Weise des Verstehens.

 

Swamiji: Dies ist richtig. Doch tatsächlich bedeutet Verzichten, auf alle Wünsche, die mit der weltlichen Wahrnehmung verbunden sind zu verzichten. Hast Du Wünsche, die weltlicher Natur sind? Wenn Du auf sie verzichten kannst, hast Du die Vollkommenheit erreicht. Die alten Denkmuster usw., die Du so eben erwähnt hast, sind in Wahrheit die alten Denkmuster des Wünschens in Bezug auf die weltlichen Dinge.

 

Besucher: Ja.

 

Swamiji: Wenn man über diese Art des Wunschdenkens hinausgeht, wenn dieses Selbst der einzige Wunsch ist und nichts außerhalb dieses Wunsches übrigbleibt, hat man wirklich verzichtet. Verzichten bedeutet nicht, die weltlichen Objekte, Menschen und Dinge aufzugeben, sondern das Verlangen danach. Viele Menschen sind im Augenblick hier anwesend. Kann man sagen: „Ich verzichte auf sie?“ Diese Frage erhebt sich überhaupt nicht, da ich keine innere Beziehung zu ihnen habe. Aus diesem Grunde erhebt sich auch die Frage bezüglich des Verzichtens nicht. Genauso muß man sich gegenüber allen Dingen in der Welt verhalten, dann erhebt sich auch nicht die Frage nach dem Verzichten.

 

Besucher: Ja.

 

Swamiji: Sobald man von etwas innerlich berührt ist, erhebt sich damit auch die Frage nach dem Verzichten oder nicht Verzichten. Du bist an dem Selbst interessiert. Und wenn nichts weiter interessiert, dann hast Du auch gänzlich verzichtet und das Beste getan, was man in der Welt tun kann. Dies ist meine Antwort auf Deine Frage.

 

Besucher: Danke

 

Besucher: Swamiji, ich habe noch eine andere Frage bezüglich der Umwandlung - wie und zu welcher Zeit findet Umwandlung statt?

 

Swamiji: Welche Art von Umwandlung meinst Du?

 

Besucher: Ich meine die Umwandlung der Persönlichkeit, der bisherigen Lebensweise, der Art und Weise, wie man die Dinge bisher gesehen und verstanden hat, im Sinne von mehr Interesse in das Selbst.

 

Swamiji: Die Umwandlung ist tatsächlich ein Zustand des Bewußtseins. Wenn man sich etwas gewahr wird, nimmt das Bewußtsein die Sache in Besitz und erscheint in äußerer Form, wobei es gleichgültig ist, ob es sich um ein menschliches Wesen oder irgendeinen anderen Gegenstand in der Welt handelt. Man wird für die Zeit, wo man darüber nachdenkt, in die Form des Objektes transformiert. Doch, wenn die Objekte, wie Du soeben beschlossen hast, für Dich nicht existieren, weil sie Dich innerlich nicht berühren, hast Du mit nichts in der Welt zu tun, und das Bewußtsein transformiert sich selbst in seine wahre Natur hinein.

 

Unser Bewußtsein beruht auf Erfahrungen, ist gefühlsbetont und von Objekten erfüllt. Wir sehen diese Welt; wir schauen auf die Gebäude, Wände und auf so viele Menschen um uns herum. Unter diesen Wahrnehmungsbedingungen findet eine psychologische Umwandlung statt. Der Verstand nimmt die Form dessen an, was er erkennt; dann ist er in der Lage, die existierende Sache, als solche zu erkennen. Genauso, wie Geschmolzenes, das sich in einen Schmelztiegel ergießt, die Form des Schmelztiegels annimmt, nimmt auch der Verstand die Form irgendeines Objektes an, welches er erkennt oder mit den Sinnesorganen wahrnimmt.

 

Dies nennt man Bindung an die Objekte. Wenn Du von nichts mehr berührt wirst, - Du siehst so viele Menschen hier, doch Dein Verstand wird nicht in die äußere Form dieser Menschen transformiert, da er innerlich nicht mit ihnen verbunden ist, - ist es ein leeres Sehen und Schauen, ohne irgendwelche gefühlsbetonten Bindungen. Wenn diese gefühlsbetonten Bindungen zu den Dingen aufhören und Deine inneren Beziehungen im Reinen Selbst zentriert sind, erfährt man, wie gesagt wird, eine metaphysische Umwandlung, - eine transzendentale Umwandlung in die Form Gottes Selbst, wie ich es bezeichnen möchte. Anstatt das Dein Bewußtsein die Form der Dinge, die es außerhalb von sich selbst erkennt, annimmt usw., wird das zentrierte Bewußtsein, ohne Beziehungen zur äußeren Raumzeit, in die Form des transzendenten SEIN’s, was Gottesbewußtsein ist,  hinein modifiziert. Diese Form, die Du erwartest, findet dann automatisch statt, wenn Du Dich von dem Objekt-bezogenen-Bewußtsein oder jeglichem Wunschdenken befreit hast. Dies erwartest Du in Deinem spirituellen Umwandlungsprozeß.

 

Wenn das Selbst sich irgend etwas wünscht, verliert es meistens den Kontakt zu sich selbst und bewegt sich außerhalb in den Formen der Objekte sinnlicher Wahrnehmungen. Dies ist für den Verstand unnatürlich. Die Sinne müssen von solcher Wahrnehmungsaktivität zurückgezogen werden, denn das Bewußtsein muß in sich Selbst ruhen. Das Ruhen des Bewußtseins in sich Selbst ist die höchste Form der Yogameditation, was Universales SEIN bedeutet. Danach gibt es nichts mehr. Dies ist das letztendliche Ziel.

 

Ein britischer Besucher: In Deinem Buch „The Realisation of the Absolute“ ist ein Abschnitt, wo Du sagst, daß, wenn sich die Natur auf ihre Weise revanchieren wird, sich jemand nicht selbstverwirklicht. Das hört sich so an, als ob die Natur eine Absicht damit verfolgt oder einen Grund dafür hat. Ich würde mich freuen, wenn Du mir das erklären kannst.

 

Swamiji: Die Natur revanchiert sich nicht, doch sie zwingt die Menschen in die Naturgesetze, denen wir uns sozusagen alle fügen müssen. Das Bewußtsein der Endlichkeit, die Todesfurcht, das Gefühl der Unsicherheit und ein Gefühl, mit allem unzufrieden zu sein, sind die Reaktionen der Natur gegenüber dem Menschen, der sein Selbst nicht verwirklicht hat.

 

Selbstverwirklichung bedeutet das Ewige Universale SEIN zu erfahren, wobei die Natur mit eingeschlossen ist. Da es Universal ist, gibt es niemanden mehr, der ES kontrollieren kann. ES kann auch von niemandem mehr eingeschränkt werden, und da es überall ist, kann ES auch nicht sterben. ES kann nicht geboren werden; ES ist vollkommen frei und letzten Endes Absolut. So beschreiben wir den höchsten Zustand der Verwirklichung, die unter vielen Namen als Selbstverwirklichung, Gott-Verwirklichung und die Verwirklichung des Absoluten bekannt ist, - dort, wo das EINE EINS ist, existiert davon nichts mehr außerhalb, was Dich irgendwie beschränken könnte.

 

Das ist die letztendliche Freiheit, das Ziel des Lebens, wonach sich jeder im tiefen Meditationsprozeß bemühen muß. Tiefe Meditation ist notwendig. Man muß praktisch all seine Zeit in Kontemplation auf diese höchste Vollkommenheit, auf das Vollkommene Ganze, was als Absolutes bekannt, wo alles vorhanden, welches ALLES in ALLEM und untrennbar von der eigenen Existenz ist, verwenden.

 

Diese Meditation ist die höchste Pflicht eines jeden Menschen, und man wird in jeder Beziehung vollkommen, alles wird erfüllt werden, wenn diese Pflicht getilgt wurde. Dies ist die Sache, nach der wir in all unseren Aktivitäten und Handlungen tagaus, tagein streben und um die wir uns bemühen müssen. Was auch immer unsere Aufgabe in diesem Leben ist, alles muß auf diesen großen Meditationsprozeß hin zum Absoluten ausgerichtet werden. Dies ist die Pflicht aller Menschen.

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68. Die Furcht, die Welt zu verlieren

 

Swamiji: Manchmal sieht er wie ein wunderschöner, ebener und honigsüßer Pfad aus. Manchmal sieht er wie ein aufgerichteter Donnerblitz aus. In den Upanischaden steht geschrieben, daß Gott wie ein aufgerichteter Donnerblitz ist. Jeder fürchtet IHN. Sonne und Mond fürchten IHN; die Götter für­chten IHN. Jeder fürchtet diesen aufgerichteten Donnerblitz. Dies ist ein Aspekt des Richters. Gott ist ein Richter.

 

Der Richter flößt Furcht ein, denn wir wissen nicht, welches Urteil ER über uns fällen wird; darum fürchten wir uns vor dem Richter. Doch zur selben Zeit gewährt dieser Richter ein Gefühl von Schutz. Man wird nicht beschützt, wenn ER nicht da ist. Auf diese Weise bekommt man durch IHN ein Gefühl von Sicherheit und Zufriedenheit, doch man empfindet auch eine Bedrohung, weil man nicht weiß, was einen erwartet. Da man den Richter nicht richtig versteht, hat man IHM gegenüber ein zwiespältiges Verhältnis.

 

Jeder in diese Welt geborener Mensch muß diese Stufen von der dreidimensionalen Welt der Raumzeit hin zur transzendentalen Gottheit durchlaufen. Niemand weiß im voraus, welche schrecklichen Erfahrungen und Schmerzen ihm innerlich widerfahren werden. Man erfährt sie erst, wenn man ihnen tatsächlich begegnet. Manchmal befürchtet man, irgendeine wunderschöne, herrliche und wertvolle Sache zu verlieren. Die Welt geht verloren. Die Welt ist eine gute Sache; sie ist so schön anzusehen. Wir können von ihr nicht behaupten, daß sie häßlich ist. Doch es scheint, daß wir uns aus Rücksicht vor irgend etwas, von dem wir keine Ahnung haben, von ihr verabschieden müssen. Dies ist unsere Furcht.

 

„Wonach suche ich? Ich werfe all meinen Besitz in das Meer und dann suche ich nach etwas Nebelhaftem, Vagen, Undenkbarem, was Erleuchtung oder Gott genannt wird.“ Manchmal wird die Seele von dieser Furcht erfaßt. Nur anfangs empfindet man Begeisterung; danach findet manchmal eine Umkehrung dieser Gefühle statt. Das Bewußtsein gibt Dir einen Anstoß und sagt: „Geh’ in die Welt zurück. Es ist unmöglich für mich, mit Dir weiter zu gehen.“

 

Manchmal wird der Fluß einige Kilometer ins Meer hinaus getrieben, bis er salzig wird. In einigen Fälle kann auch beobachtet werden, daß aufgrund der Macht des Ozeans das Flußwasser bereits mehrere Kilometer vor der Flußmündung salzig wird, was den Fluß noch stärker vorantreibt.

 

Doch es gibt auch Flüsse, die so mächtig sind, daß sie das Meerwasser 300 Kilometer weit vor sich hertreiben. In Südamerika ist das bei dem Amazonas der Fall. Man sagt von ihm, daß er durch seine Macht erst 300 Kilometer nach der Flußmündung salzig wird.

 

Auf diese Weise werden nicht nur kleine Ströme durch die unbekannte Macht salzig. Man kann sich auch selbst vorantreiben. Warum bist Du mißtrauisch? Das Schlimme ist, wir sind durch die Sinnesorgane in dieser Welt an ein sehr glückliches, freudvolles Leben gewöhnt. Wir sehen die schönen Dinge; essen, hören, berühren und riechen wundervolle Dinge. So ist diese Welt. Die Welt besteht für uns aus fünf Dingen: schönes Sehen, Riechen, Hören, Schmecken und wundervolles Berühren. Ohne diese Empfindungen existiert keine Welt. Nun möchte man sich von diesen wundervollen Dingen zurückziehen; was geschieht dann mit Dir? All diese wunderschönen Dinge verschwinden. Was bleibt zurück, wenn all diese wundervollen Dinge davongehen? Hier liegen die Befürchtungen.

 

Doch, was man als schön in dieser Welt ansieht, ist in Wirklichkeit nicht schön. Es ist eine Verkehrung der Tatsachen; die Sinne führen zu dem Irrglauben, daß man schöne, geschmackvolle und wunderbare Dinge in dieser Welt sieht. Die wahre Schönheit liegt irgendwo anders, wie man sagt, in dem Vorbild, dem Original der eigenen Persönlichkeit. Das wirkliche SEIN wird durch Deinen Geist reflektiert, was dann so, wie Herr Soundso, der hier sitzt, aussieht. Auf diese Weise sind wir in Wirklichkeit alle Spiegelbilder unseres eigenen Selbst’. Die Originale befinden sich irgendwo anders. Wenn die Spiegelbilder schon so attraktiv sind, wie müssen dann erst die Originale sein? Dies erzähle Deinem Verstand: „Fürchte Dich nicht. Ich möchte nur etwas Besseres als das erreichen, was ich hier in dieser Welt bekomme.“

 

Doch, wenn man sich diesbezüglich psychologisch in einer Sackgasse befindet, bedeutet ein Guru die einzige Lösung. Es ist nicht möglich, diesen Weg alleine zu gehen. Sonst steht man eines Tages vor einer schwarzen Wand oder einem Vorhang und findet keinen Ausweg mehr. Wenn Du keinen Ausweg mehr weißt, dann gehe zu Deinem Lehrer und sage ihm: „Ich habe dies Problem. Ich habe Kummer, bitte gib mir einen Rat?“ Was auch immer der Guru in diesem Augenblick sagen wird, ist die Lösung des Problems.

 

Jeder Schüler braucht einen Guru. Ein Voranschreiten in völliger Unabhängigkeit ist nicht möglich. Selbst ein Flugzeug kann nicht nur mit dem eigenem Willen und ohne Training durch einen Guru geführt werden, sonst werden einem Fehler unterlaufen. Ein Guru ist für alles erforderlich. Wo die Zukunft, besonders auf diesem Wege, vollkommen unbekannt ist, ist ein Lehrer für uns unbedingt erforderlich. Wir bewegen uns auf einer Spur, von der wir überhaupt keine Ahnung haben, und wir wissen nicht, was vor uns liegt. Und so müssen wir allein durch die Aufmerksamkeit des Gurus geführt werden, und wenn man einen kompetenten Guru hat, sollte es auch keine Probleme geben.

 

Man sollte nicht jeden Tag zu seinem Guru gehen und Fragen stellen, doch wann immer man eindeutige, schmerzliche Erfahrungen macht, die an den Lebensnerv gehen und Kummer bereiten, dann sollte man ihm von seinen Schwierigkeiten berichten.

 

Manchmal muß man sich selbst gegenüber Nachsicht üben. Man sollte sich selbst gegenüber nicht immer nur hart sein und sich dauernd unter Druck setzen, denn spirituelle Disziplin hat nichts mit Folter zu tun; wenn man sich zu sehr unter Druck setzt, werden Körper und Geist darauf reagieren und der Erfolg bleibt danach aus. Man muß sehr behutsam vorgehen. Man sollte weder zu nachsichtig sein, noch sollte man es bei seiner Strebsamkeit zu sehr übertreiben. Beides muß vermieden werden.

 

Manchmal bleiben wir in unserer Begeisterung nicht auf dem goldenen Mittelweg und werden innerlich oder äußerlich von Krankheiten befallen. Aus diesem Grunde ist ein Lehrer notwendig, der uns vor Übertreibungen bewahrt und lehrt, was richtig für uns ist. Ein Guru ist notwendig. Geh hin, um Deinen Guru zu treffen.

 

Besucher: Ich bin mir nicht sicher, ob ich Dich richtig verstanden habe, was Du mit dem „Richter (Gericht)“ gemeint hast, doch, ist es richtig, daß, wenn man in das Unbekannte geht, das „Jüngste Gericht“, dem man dann gegenüber steht, gleichbedeutend mit der Wahrheit selbst ist? Es ist mir nicht eindeutig klar. Und Du sagtest, es ist der Richter, bei dem wir gleichzeitig auch Sicherheit finden. Ist es das, was Du damit meinst?

 

Swamiji: Der Richter ist eine Quelle der Sicherheit und auch eine Quelle der Furcht.

 

Besucher: Das ist richtig.

 

Swamiji: Weißt Du, warum das so ist? ER handelt in beide Richtungen. ER kann auf jede Weise handeln; darum fürchtest und liebst Du IHN gleichzeitig. Einerseits kannst Du ohne IHN nicht leben, und doch möchtest Du andererseits durch IHN nicht all zu oft gestört werden.

 

Besucher: Ist ER denn wie die Wahrheit Selbst? Die Wahrheit ist schmerzhaft und dennoch befreit sie auch.

 

Swamiji: Ja das ist richtig. Es ist schmerzhaft, und doch wird man durch IHN befreit. Es ist für das verhaftete Individuum, das sich nicht selbst befreien möchte, von dem Augenblick an schmerzhaft, wo Verhaftungen als notwendiges Erlebnis der Freude angenommen wurden. Wir sind in einem Zustand der Verhaftungen, doch wir denken nicht daran, daß es sinnvoll ist, uns dieser Verhaftungen von einer Sekunde zur anderen zu entledigen. Wir haben, den Körper eingeschlossen, unsere eigenen Beziehungen aufgebaut. Dies sind die Quellen der Verhaftungen, doch wir möchten uns ihrer nicht entledigen. Verhaftungen werden ebenfalls zu einem Teil unserer Existenz. Für Menschen, die fünfzig Jahre lang hinter Gittern lebten, wird dieser Zustand zu einem Teil ihres Lebens; wenn sie ihr Gefängnis verlassen können, wird die wieder gewonnene Freiheit eine Zeit lang zu einer seltsamen Angelegenheit. Alle Gewohnheiten, welche auch immer wir angenommen haben, sehen für uns normal aus, obgleich sie in Wirklichkeit nicht normal sind.

 

Manche Menschen sind andauernd krank. Sie fühlen sich niemals wirklich gesund. Sie leiden unter Fieber, Magenschmerzen und Appetitlosigkeit, so geht das Tage und Monate lang und dieser Zustand wird ein Teil ihres Lebensinhaltes. Sie wissen nicht einmal mehr, was Gesundheit bedeutet. So sehr ist man in die Dinge verwickelt. Aus diesem Grunde wird befürchtet, von den weltlichen Verwicklungen getrennt zu werden, da es etwas ganz Normales und Wirkliches geworden ist.

 

Die andere Sache, die nun wirklich normal und das höchst Normale ist, hat für uns etwas Abstraktes und ist nur eine Art Gedanke. Ein direkter Kontakt damit scheint nicht sinnvoll. Wir kommen nur durch die Sinnesorgane mit wirklichen, substantiellen Objekten direkt in Berührung, doch können wir keinen physikalischen Kontakt zu Dingen aufnehmen, die wir als Ultimative Wirklichkeit wahrnehmen. ES bleibt fast immer nur als eine Art Gedanke bestehen, denn wir sind nicht in der Lage, uns selbst vollständig davon zu überzeugen, daß das, was wir nur als ein Gedanke wahrnehmen, genauso gut ist, wie die physikalische Berührung.

 

Auf diese Weise erzeugen viele Arten psychologischer Wahrnehmungen in uns  Furcht und Belästigungen. Wir können uns von diesen Dingen nicht ohne die praktische Führung eines Gurus befreien.

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69. Die sieben Stufen der Erleuchtung

 

Swamiji: Unmittelbar bevor Du hereingekommen bist, habe ich über die Erleuchtung nachgedacht. Die Erleuchtung ist wie der Sonnenaufgang, den ich am Morgen in mir fühle, wenn die Sonne aufgeht, doch sie springt nicht gleich an den höchsten Punkt.

 

Andrew: Sie geht langsam auf.

 

Swamiji: Es ist in der Nacht stockdunkel, so, als würde es keine Hoffnung auf Licht geben. Dies ist der Zustand der Unwissenheit.

 

Andrew: Ja.

 

Swamiji: Wenn es stockdunkel, wie schwarze Kohle ist, kann sich niemand so etwas wie die Helligkeit vorstellen. Doch, was geschieht später: Der Himmel nimmt eine leichte graue Färbung an.

 

Andrew: Es dämmert.

 

Swamiji: Der Himmel wird langsam grau. Danach wird er ein wenig pinkfarben, dann leicht milchig weiß, und dann kannst Du die Sonne in ihrer vollen Größe langsam im Osten aufgehen sehen.

 

Genauso verhält es sich bei der Erleuchtung. Ich habe gerade darüber nachgedacht. Am Anfang herrscht, wie bei der Idiotie, vollkommene Dunkelheit. Es gibt Menschen, die ihren Lebensunterhalt auf den Straßen mit Steine schleppen und mit Bäume fällen in den Wäldern verdienen. Woran denken diese Menschen dabei?

 

Andrew: Sie denken ans Überleben.

 

Swamiji: Überleben, - das ist alles. So weit es die Erleuchtung betrifft, herrscht vollkommene Dunkelheit.

 

Andrew: Das ist richtig.

 

Swamiji: Eines Tages kommt im Leben eines Menschen die Zeit, wo er nicht mehr länger Schlechtes, sondern nur noch Gutes tun möchte. Unter den animalischen Lebensbedingungen eines Menschen, erhebt sich nicht die Frage nach richtigen oder falschen Dingen. Doch der Tag kommt: „Nach alle dem, muß ich jetzt etwas Gutes tun“.

 

Viel Menschen verlassen ihr Zuhause, ihre Arbeit und legen ihre Beschäftigung nieder, um hierher in den Ashram zu kommen. „Warum bist Du hierher gekommen?“ „Ich möchte irgend etwas Gutes tun“. Dies ist die erste Stufe der Erleuchtung, so steht es in der Yoga Vasishtha, einer großen Schrift Indiens. Die erste Stufe wird im Sanskrit „Subheccha“ genannt. Subha bedeutet gut; Subheccha bedeutet der Wunsch Gutes zu tun.

 

Die nächste Stufe betrifft die Frage, wie man Gutes tun kann. Der Wunsch, Gutes zu tun, ist vorhanden, doch, wie soll man das anstellen? Man denkt weiter darüber nach, was gut überhaupt bedeutet. Dies ist die nächste Stufe, welche, nach dem eigentlichen Wunsch, Gutes zu tun, als „Zustand der Untersuchung“ bekannt ist. Es ist ein Nachdenken, indem man daran denkt: „Was bedeutet eigentlich gut? Wonach suche ich wirklich? Was möchte ich?“ Diese Stufe ist als Vicharana bekannt.

 

Die dritte Stufe wird Tanumanasi genannt und beinhaltet das Ausdünnen des Verstandes. Der Verstand, der mit Wünschen aller Art angefüllt ist, ist voller Egoismus. In der Yoga Vasishtha steht ein Vers in Sanskrit mit folgendem Wortlaut: Durch Anhäufung von Besitz, durch das Verlangen nach Vergnügen und Bindung an diesen Körper wird das Ego dick und fett. Man sagt, daß der Körper dick sein kann; doch auch das Ego kann dick sein.

 

Es gibt Menschen mit unbeugsamen Egos. Wenn der eigene Verstand mit der Frage anfängt: „Was ist für mich die richtige Tätigkeit?“ konzentriert er sich nur auf die eine Sache, das Richtige zu tun. Die Unzufriedenheit, die durch frühere Gedankenbewegungen hervorgerufen wurde und in verschiedene Richtungen gingen, hört durch die Konzentration auf nur eine Sache langsam auf.

 

Andrew: Die Unzufriedenheit versinkt.

 

Swamiji: Sie versinkt. Sie wird, sozusagen, dünn wie ein Faden. Der Verstand ist wie ein Film, der das Bewußtsein des Selbst bedeckt. Wenn dieser Film dick und dunkel ist, wird die Reflexion des Selbstbewußtseins vollständig verhindert. Wenn er dünn und klar wird, kann das Licht selbst, wie durch ein gereinigtes Glas, richtig reflektiert werden, was durch einen dicken Stein nicht möglich ist. Auf diese Weise ist es, unter der Bedingung des „ausgedünnten“ Verstandes, der als Zustand Tanumanasi bekannt ist, möglich, sich selbst von früheren Beschäftigungen in Verbindung mit den Sinnesorganen zu lösen. Bis zu dieser dritten Stufe, hat die Erleuchtung noch nicht begonnen. Es ist nur eine vorbereitende Stufe, - die Kindergartenstufe.

 

In der vierten Stufe fühlt man einen Blitz, so, als würde ein Licht angezündet. Sattva Guna, die Sattvische Qualität des Verstandes offenbart sich in der vierten Stufe selbst. Unter der Bedingung, daß diese Lichtblitze nicht am Himmel, sondern in sich selbst wahrgenommen werden, sind sie als Brahmavid gekennzeichnet - wie jemand, der Brahman erkennt. Doch befindet er sich immer noch am Portal, am Eingang zum Palast Brahman’s. Er ist noch nicht eingetreten. Die Stufe wird Sattvapatti, die Verwirklichung der höchsten Reinheit, genannt.

 

In der fünften Stufe verschmilzt dann das Bewußtsein der Äußerlichkeit mit dem der Universalität. Jetzt sehe ich die Welt. Ich sehe Menschen, die Raumzeit, Sonne, Mond und Sterne. Ich sehe sie, da sie sich scheinbar außerhalb von mir befinden. Angenommen, Sonne, Mond und Sterne und die ganze Menschheit sind innerhalb meines Körpers festgenagelt; dann werde ich außerhalb von mir nichts mehr sehen. Das Bewußtsein der äußeren Existenz der Dinge, die Raumzeit eingeschlossen, löst sich auf. In dieser Stufe, Asamsakti genannt, findet eine völlige Loslösung von Besonderheiten, Äußerlichkeiten, Kausalitäten usw. statt.

 

Dann folgt die nächst höhere Stufe als sechste Stufe, - Padarthabhavana, oder die Verhaftung an „nicht materielle“ Dinge. Die Quantenphysiker erzählen uns, daß die eigentliche Materie das Licht ist. Es ist nicht eine dumpfe, steinartige Substanz wie die Erde hier. Sie ist die innere Natur, die nach dem Licht strebt. In dieser sechsten Stufe verliert die Materie ihre Festigkeit, Härte, Äußerlichkeit, Gewicht und Ausdehnung, und überall existiert eine Flut von Lichtstrahlen, so, als wäre das ganze Universum eine einzige Sonne.

 

Wenn eine einzelne Sonne im Osten aufgeht, kann man die große Lichtflut sehen. Hier bei der Erleuchtung, wird der ganze Raum zur Sonne. Was mag das für ein Strahlen sein? Was mag das für eine Helligkeit sein? Dies wird manchmal, wie Patanjali es in seinen Sutras bezeichnet, Savikalpa Samadhi genannt, - ein vorletztes Stadium vor der Vereinigung mit dem Absoluten.

 

Im letzten Stadium, genannt Turiya, existiert nichts weiter als Strahlen. Der Zuschauer beginnt selbst zu strahlen. Der Strahlende sieht das Strahlende; die Sonne sieht die Sonne und es gibt nichts als die Sonne. Der ganze Raumzeit-Komplex, den man als Existenz und als Faktor der Ursache des Universums bezeichnet, wird nicht als ein physikalisches Licht, elektrisches Licht und selbst nicht einmal als Sonnenlicht, sondern als Licht des Bewußtseins zur Masse unbeschreiblichen Strahlens. Es existiert niemand in dieser letzten und siebenten Stufe der dort wäre, um ES zu sehen, da der Seher zur Sache, die er betrachtet, selbst geworden ist. Dies ist die Erfahrung des Absoluten.

 

Andrew: Dies bedeutet Auflösung.

 

Swamiji: Hier ist der Gipfel der Erleuchtung, und niemand weiß, was in diesem Augenblick geschieht. Die Leute stellen immer wieder die gleiche Frage: „Was geschieht nach der Erleuchtung?“ Niemand kann dort solche Frage stellen, denn niemand wird zu der Zeit existieren. Doch in den Schriften steht geschrieben, daß der Körper eines solchen Erleuchteten noch eine Zeit lang am Leben bleiben kann. Es bedeutet nicht, daß er sofort sterben wird.

 

Man glaubt, daß ein Mensch, der sich im Licht des Bewußtseins auflöst, nicht länger als zwei bzw. drei Wochen überleben kann. Dieser Körper wird dann abgegeben.

 

In Maharashtra existierte jemand, der diesen Zustand erreicht hatte. Niemand kannte seinen Namen. Die Leute nannten ihn Akalhot Swami, da er an einem Ort dieses Namens lebte. Er sprach kein Wort, doch die Menschen um ihn herum wußten, daß er ein großer Meister war. Er brachte kein Wort über die Lippen; er bat um nichts. Tag und Nacht war er in diesem Zustand allein mit sich selbst.

 

Eines Tages kam ein armer Mann, der wußte, daß er ein großer Meister war, zu ihm und bat ihn um seinen Segen. Normalerweise segnete er niemanden; er würde überhaupt zu niemand sprechen. Der arme Mann mußte seine Tochter verheiraten, doch er hatte keine Mitgift. So ging er zu dem Meister, der in der siebenten Stufe der Erleuchtung war, die ich vorher beschrieben habe, und warf sich vor ihm auf den Boden und bat um seinen Segen.

 

Der Swami deutete auf den Schädel eines toten Mannes. Ist dies für eine Hochzeit, die sicherlich eine heilige Handlung bedeutet, ist dieser Schädel, den der Meister ihm geben wollte, nicht eine etwas unglückliche Gabe? Der arme Mann fühlte sich angewidert, doch da er dem großen Meister Vertrauen schenkte, wickelte er den Schädel in einen Lumpen, ging nach Hause und warf das Bündel in den hinteren Teil der Veranda. Er borgte sich Geld und richtete die Hochzeit aus. Ungefähr nach einem Monat, als die Frau die Veranda fegte, traf sie mit dem Besen das Bündel und der Schädel zerbarst in kleine leuchtende Stücke.

 

Es war kein Schädel mehr zu sehen, denn er war in viele kleine leuchtende Steine zerbrochen. Er nahm einen Stein mit in ein Geschäft auf dem Markt und fragte: „Hat dieser Stein irgendeinen Wert?“

 

„Woher stammt dieser Stein?“ fragte der Ladeninhaber, „dieses Stück kostet einhunderttausend Rupien“.

 

Dem armen Mann brach das Herz. Er ging zurück zu dem alten Heiligen und warf sich vor ihm nieder. „Der Schädel wurde zu einem Haufen von Edelsteinen!“ sagte er, doch der große Meister sprach kein einziges Wort.

 

Dies ist ein Beispiel dafür, wie sich große Meister in der siebenten Stufe verhalten. Das Verhalten dieser Meister kann niemand verstehen. Vor vielen Jahren, zu Zeiten von Swami Shivananda, lebte auf der anderen Seite des Ganges solch ein verrückt aussehender Swami, der keine Kleidung trug. Wenn er zum Markt ging und dort Körbe voller Süßigkeiten sah, hob er diese Körbe hoch, warf sie auf die Straße, ging zu einem anderen Geschäft und tat wieder das gleiche. Die Leute sagten, daß sich danach die Umsätze der Ladenbesitzer verhundertfachten. Da liefen die Leute zu ihm und baten: „Bitte wirf unsere Körbe um, bitte tue es!“ Er hörte ihnen nicht zu, sondern ging unbeteiligt davon.

 

Die großen Meister, wie Shirdi Sai Baba, Shri Ramakrishna Paramahamsa, dieser Akalhot Swami und viele andere dieser Art waren nicht wie die normalen Menschen. Man sagt, wie ich erwähnt habe, daß der Körper durch Prarabdha (Summe des Karmas im gegenwärtigen Leben) am Leben gehalten wird, jedoch durch die vollendete, getane Arbeit erschöpft wurde und schließlich nichts mehr zu tun übrig bleibt. Das Bewußtsein hat sich im Körper ausgebreitet, und wenn sich dieses Bewußtsein weiter Bahn bricht, hat der Körper dem nichts mehr entgegen zu setzen.

 

In der Yoga Vasishtha steht geschrieben, daß die Anzahl dieser Menschen an den Fingern abzählbar sind. Es gibt nur wenige dieser Menschen. Man findet sie nicht überall so einfach auf den Straßen. Humorvoll gesagt, heißt das, daß die Erde das Gewicht dieser Menschen nicht aushalten könnte. Die Erde kann nicht unter dem Gewicht dieser Art Menschen leiden. Dies ist eine humorvolle Art, es auszudrücken. Es gibt nur sehr wenige Menschen dieser Art.

 

Ein kleiner Junge von sechzehn Jahren, Vyasa’s großer Sohn Shuka Maharishi war mit all den Bäumen, Bergen und überhaupt allem EINS. Er ging ohne Bewußtsein seines Körpers nackt durch die Welt. Wenn Vyasa nach seinem Sohn Shuka rief: „Shuka, mein Sohn! Wo bist Du?“ begannen die Wälder überall zu vibrieren: „Ich bin hier.“

 

Es existiert noch eine andere Geschichte über Shuka. Es war einmal ein König mit Namen Yudhisthira, bekannt aus der Mahabharata - er war ein sehr tugendhafter und wohltätiger Mann. Er hat die Mahabharata-Schlacht gewonnen. Kennst Du die Geschichte der Mahabharata?

 

Andrew: Ein wenig.

 

Swamiji: Oh, sie ist es wert gelesen zu werden. Wenn man die Mahabharata nicht gelesen hat, kann man auch die Kultur Indiens nicht kennen.

 

Andrew: Du hast jetzt zum zweiten Male mit mir darüber gesprochen.

 

Swamiji: Um seine Größe als Herrscher zu demonstrieren, gab er, nachdem er zum König gekrönt worden war, ein Essen für Millionen von Menschen. Er wollte jedoch wissen, wie viele Menschen am Essen teilgenommen hatten, und so fragte er Vyasa: „Kannst Du eine Methode ersinnen, um festzustellen, wie viele Menschen an dem Mahl teilgenommen haben?“ Sein Mantra sprechend hing Vyasa eine Glocke auf. Dann sprach er: „Die Glocke läutet je tausend Essensteilnehmern einmal. Du kannst die Anzahl der Glockenschläge zählen, und so erfahren, wie viele Menschen am Essen teilgenommen haben“.

 

Nachdem die Leute gegessen hatten und gegangen waren, begann die Glocke unaufhörlich zu läuten; sie läutete ununterbrochen. „Was ist das für ein Glockengeläut? Stimmt etwas nicht mit der Glocke?“ fragte Yudhisthira.

 

Vyasa sagte: „Meine Glocke macht keinen Fehler. Ein außerordentliches Mysterium muß dahinter stecken. Sie läutet normalerweise je tausend Essensteilnehmer nur einmal. Du mußt herausfinden, ob außerdem noch jemand am Essen teilnimmt.“

 

Er sah sich um und fand Shuka, den kleinen ungekämmten Jungen, der ein Samenkorn aß, mit einem Hund, der die Überreste des Essens der Leute von den Blättern aufleckte. Als Shuka ein Samenkorn aß, begann die Glocke zu läuten.

 

Der König lief zu Vyasa: „Dort hinten steht ein armer Junge, und wenn er ein Samenkorn ißt, beginnt die Glocke zu läuten, so als würden Tausende von Leute essen. Wer ist dieser Junge?“

 

Vyasa sagte: „Er ist mein Sohn. Er ist selbst wie das ganze Universum. Wenn er ein Samenkorn hinunterschluckt, ist es so, als würden Millionen von Menschen gegessen haben.

 

Yudhisthira weinte: „Ich bin beschämt. Ich habe nicht gewußt, daß solch ein Mensch existiert, und ich prahle, Millionen von Menschen gefüttert zu haben.“ Er warf sich vor dem Jungen nieder, doch Shuka blieb unberührt.

 

Dies sind Geschichten von Erleuchteten, die den Kosmos durchdrungen und ihn sich zu eigen gemacht haben,- nicht nur zu eigen gemacht haben, sondern selbst zum Kosmos geworden sind. In den Upanischaden steht geschrieben, daß das Universum ihm gehört, - vielmehr, daß er selbst das Universum ist. Was können wir mehr über Erleuchtung sagen? Es ist wert, tief darüber nachzudenken.

 

Andrew: Vielen Dank.

 

Swamiji: Es ist wert, über die Angelegenheit nachzudenken, eines Tages werden wir es erreicht haben und lassen dann die Glocke erklingen.

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70. Der Segen Shivananda’s

 

Janie: Swamiji, ich würde mich freuen, wenn Du uns etwas darüber erzählen könntest, wie Du Deinem eigenen Meister, Swami Shivananda, begegnet bist?

 

Swamiji: Was möchtest Du wissen?

 

Janie: Ich war erstaunt zu hören, daß Du, als Du IHN getroffen hattest, etwas erkannt hattest, was Du schon immer wußtest.

 

Swamiji: Oh, das Zusammentreffen mit ihm war so, als würde man einen Riesen treffen. Weißt Du, was ein Riese ist? Auf diese Weise traf ich IHN, einen Riesen, der jeden, der ihm nahe kommt, in Erstaunen versetzt. Doch dies „in Erstaunen versetzen“ war ein Art Lehre und ein Empfangen. Wenn man aus einer Höhle oder einen Raum kommend, in die heiße Sonne hinausgeht, ist man überrascht, denn man wird von der Sonne Willkommen geheißen, die Macht und Größe der Sonne läßt Dich erstaunen. Was meinst Du dazu?

 

Besucher: Ja.

 

Swamiji: So ähnlich verhielt es sich bei der Begegnung mit Swami Shivananda. Auf diese Weise habe ich Wochen und Monate gebraucht, um mich auf die Atmosphäre der turmhohen Persönlichkeit einzustellen. Was erwartest Du von mir, was soll ich Dir erzählen? Es war in vielen Dingen nicht leicht, sich darauf einzustellen. Wir mußten unsere Ernährung umstellen, die Lebensweise, die Wohnverhältnisse ändern, auf Komfort verzichten und, was das schlimmste und am schwierigsten war, wir mußten unsere Denkweise ändern.

 

Zu Hause denkt man in einer bestimmte Art und Weise und, wenn man hier im Ashram ist, muß man vollkommen anders denken. Der Ashram ist eine andere Welt mit neuen Gesetzen und Regeln, an die sich der Verstand nur schwer sofort gewöhnen kann, und darunter leidet er eine Zeit lang. Dieses Leiden kann einige Monate andauern; selbst das Leiden des physischen Körper’s kann kaum ertragen werden. Die klimatischen Bedingungen sind neu. Es ist sehr heiß, dann wieder kalt und manchmal regnet es auch sehr ausgiebig usw.. Man muß sich auch auf die klimatischen Bedingungen einstellen.

 

Doch trotz all dieser Schwierigkeiten sind wir, die hier leben, sehr glücklich. Man mag erstaunt sein, wie ein Mensch unter diesem Leidensdruck überhaupt glücklich sein kann. Ist das nicht das gleiche Glücksgefühl, das man bei den Schmerzen während eines chirurgischen Eingriff spürt, und sind das nicht die gleichen Schwierigkeiten? Man ist darüber glücklich, daß man nach dem Eingriff wieder ein gesundes Leben führen kann. Dieses Glücksgefühl geht gleichermaßen mit dem Leidensdruck, den Schwierigkeiten, die man hat, und dem Todeskampf während eines chirurgischen Eingriffs, einher; - wie sollte man auch sonst diesen Leidensdruck durchstehen? Trotz all dieser Schmerzen bei der medizinischen Behandlung existiert gleichzeitig auch ein Glücksgefühl darüber, daß man in guten chirurgischen Händen ist, die die Schmerzen beseitigen können, und das macht froh, hoffnungsvoll und sicher. Solch ein Gefühl hatten wir.

 

All jene Menschen, die vor mehr als fünfzig Jahre hier waren, als ich hierher kam, sind heute nicht mehr hier. Die Menschen, die heute hier im Ashram leben, sind wesentlich später gekommen. Nur zwei oder drei von all den Menschen hier sind damals schon hier gewesen. Von all den anderen haben viele nicht einmal Swami Shivananda persönlich gesehen.

 

Leute wie ich, und zwei oder drei andere, empfinden es als besonderen Segen unter dem Schutzschirm, der Sonnenwärme jener leuchtenden Sonne, von Swami Shivananda, gelebt zu haben. Dies ist die Antwort auf Deine Frage. Was möchtest Du sonst noch wissen? Wir hatten die Ehre, uns in der Sonne Swami Shivananda’s zu wärmen.

 

Janie: Hast Du mit den anderen Leuten, die den selben Weg gingen, darüber diskutiert, was mit Euch allen damals geschehen ist?

 

Swamiji: Ich sagte doch bereits, daß diese Leute nicht mehr hier sind.

 

Janie. Hast Du damals mit ihnen darüber gesprochen?

 

Swamiji: Oh, es wird Dich erstaunen, aber damals waren Diskussionen hier nicht erlaubt. Wir wollten nicht sprechen; wir sprachen mit niemandem. Es gab keinen Grund mit anderen zu sprechen, denn es gab keine Themen, über die man hätte sprechen können. Wir konnten auch nicht mit Swami Shivananda sprechen, denn wir fürchteten uns vor ihm. Wir hatten keine Gelegenheit, irgend etwas zu sagen; in diesem Sinne verrichteten wir ohne jedes Gespräch unsere Arbeit, die uns zugeteilt worden war. Wir sprachen nur mit uns selbst.

 

In jenen Tagen war es nicht so wie heute, denn es gab weniger als zwanzig Ashrambewohner und nur ein halbes Dutzend Räume. Auf diese Weise konnte niemand sprechen; es gab auch nichts, worüber man hätte sprechen können. Wir standen alle unter dem beeindruckenden Einfluß dieses großen Meisters, und ein beeindruckter Mensch ist nicht in der Lage zu sprechen. [Gelächter] Es war eine große, wundervolle Sache.

 

In der heutigen Welt ist solch eine Persönlichkeit nicht zu finden. Solche Menschen sind selten, und ich weiß nicht, wie viele solcher Menschen in dieser Welt leben. Solche Persönlichkeiten sind ausgestorben. Sie sind nirgendwo zu finden. Sie sind keine normalen Menschen, sondern Übermenschen. ER war von enormer Körpergröße, wohltätig, großherzig, gütig, lächelnd, positiv und sagte immer: „Wundervoll, ja, gut, gut.“ ER sagte niemals: „Das ist schlecht, usw.. Alles ist gut, in Ordnung, schön.“ ER sagte immer zusammenfassend, das alles in Ordnung ist. Dies gab einem Mut, wenn man hörte: „Es wird schon richtig sein.“ Auf welche Weise es richtig war, sagte ER nicht, und doch war es nach einiger Zeit in Ordnung. Ja. [Gelächter] Jetzt wohnt ER im Universalen, und ist nicht mehr länger eine einzelne Person, so daß wir ständig seine Gegenwart fühlen.

Heutzutage möchten die Leute bei den Gurus sitzen, doch wir liefen vor IHM weg. Wenn ER des Weges kam, benutzten wir einen anderen Weg. [Gelächter] Strömen die Schüler nicht heute zu ihren Gurus? Doch so waren wir nicht. Wir liefen so weit wie möglich davon, und wenn wir IHN drei Tage nicht sahen, waren wir sehr glücklich. [Gelächter] Es ist wahr, denn, wenn wir IHN des Weges kommen sahen, benutzten wir einen anderen Weg. Auf diese Weise war ER ein vollkommen anderer Guru.

 

Der Unterschied zwischen seiner und unserer Situation war so groß, daß wir es vor IHM nicht aushielten. Dies war der Grund, warum wir weggelaufen sind; und wir fürchteten uns auch vor dem, was ER uns sagen würde. ER mochte irgend etwas sagen, und es war wie eine große Überraschung. Wir wollten keine Dinge hören, die uns hätten überraschen können, aus diesem Grunde wollten wir IHN überhaupt nicht sehen.

 

ER hätte beispielsweise plötzlich sagen können: „Verzichte drei Tage lang auf das Essen.“ Wir hätten dies nicht von IHM erwartet. Doch warum sprach ER so? Wir wären schockiert gewesen. Was hatte es damit auf sich? „Von morgen an verzichtest Du drei Tage lang auf das Essen!“ Was für ein Schock?

 

Wenn wir an kalten Wintertagen nur wenig bekleidet waren, sagte ER: „Dies ist ein dummer Verzicht. Du setzt Deinen Körper unnötiger Weise unter Druck und wirst noch krank, wenn Du weiter so herumläufst. Dieser Körper wurde Dir von Gott als Tempel zum Dienen gegeben und Du behandelst IHN unter dem Eindruck, als seist Du ein großer Asket. Binde Dir einen warmen Schal um,“ sagte er.

 

Danach band man sich einen Schal um und verrichtete weiterhin seine Arbeit. Zwei oder drei Monate lang liefen wir dann mit diesem Schal herum; danach sagte ER dann: „Sieh Dir diesen Menschen an, er ist so an diesem Schal verhaftet! [Gelächter] Selbst, wenn es warm ist, hängt er an diesem Schal. Hey! Diese Verhaftung, selbst zu einer Wolldecke, ist sehr schlimm!“ sagte ER. DU siehst, wir konnten es nicht ertragen. Aufgrund seiner Beharrlichkeit hatten wir den Schal umgebunden. Jetzt kritisierte ER uns, weil wir ihn umgebunden hatten. Wie kannst Du vor diesem Swami bestehen? Man wußte nie, was ER sagen würde.

 

Die Dinge, die ER sagte, waren sehr unangenehm, doch es waren große Instruktionen, - man sollte weder zur einen noch zur anderen Seite übertreiben. Spirituelles Leben hat nichts mit Übertreibungen zu tun, die sich auf Vermeiden oder Erwarten beziehen. Man muß das Gleichgewicht zwischen beidem bewahren. Man sollte weder an seinem Körper verhaftet sein, noch sollte man ihn unter Druck setzen. Diese Mitte gilt es zu bewahren, - die goldene Mitte war es, auf die ER Wert legte.

 

Die Menschen übertreiben immer. Sie betätigen sich in nichts anderem als Japa, darum sagte ER: „Du wirst noch ganz lethargisch werden. Arbeite ein wenig.“ Wenn man nur arbeitete, dann sagte ER: „Du arbeitest nur noch. Übe auch ein wenig Japa.“ Auf diese Weise erhielt man durch diese Art der Instruktionen immer kleine Nadelstiche, und es war darum für die Menschen nicht leicht fortzufahren, solange sie IHN nicht richtig verstanden. Viele konnten nicht bleiben und liefen davon. Und einige blieben durch Gottes Gnade, und jene, die dabei blieben, wurden in vielerlei Hinsicht gesegnet.

 

Besucher: Swamiji, fanden mit IHM gemeinsam auch Diskussionen statt?

 

Swamiji: Wir hatten keine Gelegenheit zu diskutieren. Wir standen unter dem Zauber seiner Gegenwart und, wenn man unter solch einem Zauber steht, ist man sprachlos. Wir waren mit uns selbst sehr zufrieden, da wir unter seinem Schutz standen, und ein zufriedener Mensch spricht nicht viel. Und wir waren alle aus dem gleichem Holz geschnitzt. Niemand wollte „mehr“ als der andere sein und darum gab es auch nichts, was man untereinander hätte sprechen können, so als wäre einer besser als der andere. Was hätten wir uns untereinander auch erzählen sollen, da wir doch alle gleich waren? Außerdem mußten wir den ganzen Tag unermüdlich arbeiteten. Wenn es jedoch ernsthafte Schwierigkeiten gab, konnten wir natürlich damit zu Swami Shivananda gehen. Normalerweise gingen wir mit unseren Problemen nicht zu IHM; doch, wenn es sehr zwingend und dringlich war, konnten wir es IHM natürlich erzählen, und dann sagte ER, daß es schon in Ordnung sei. Seine Antwort war einfach: „Es geht schon in Ordnung.“ Das war alles, - und irgendwie funktionierte es danach auch. Wie es funktionierte, kann ich nicht sagen. Sein Wort selbst war das Mittel. Seine Gegenwart war seine Lehre. Er hatte es nicht nötig, irgend etwas zu sagen. Es war einfach nicht notwendig. Die meisten großen Persönlichkeiten bedürfen keiner Worte. Sie bleiben einfach still, man sieht sie, hat Darshan und geht nach Hause. Das reicht aus. Er hat niemals jemanden ermutigt, Fragen zu stellen usw.. ER sagte: „Frage überhaupt nichts. Sieh her, was ich tue, meine Handlungsweise ist Lehre genug.“ Manchmal sagten wir dann: „Swamiji, wir möchten Anleitungen und Instruktionen von Dir.“ Dann sagte ER: „Nein, nein.  Sage nichts. Frage nichts. Sieh her, was ich tue. Das ist Lehre genug. Beobachte wie ich lebe, was ich von morgens bis abends tue, das ist meine Lehre.“

 

Swami Shivananda ging niemals irgendwo hin. Er blieb von Anfang bis Ende am selben Ort. ER hatte eine kleine Hütte unten am Ganges und dort lebte ER. Er ist niemals in ein anderes Haus oder eine andere Hütte umgezogen. Er wollte keine andere Behausung oder irgendeine andere Unterkunft. Er bewohnte einen verliesartigen Raum ohne Belüftung, und selbst dieses Verlies gehörte nicht zum Ashram! Er gehörte irgend jemandem. Und darin lebte er. ER hatte seinen eigenen Ashram, und obwohl ER hätte umziehen können, zog er es vor, dort zu bleiben. „Dies ist in Ordnung. Der Ganges ist überall. Alles ist gut.“ Sein Segen ist immer über uns.

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